Gesellschaftliche Verantwortung

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Foto: Elco

Im Gespräch mit Diego Falsini, Geschäftsführer von ELCO

Für unsere Interviewreihe Gesellschaftliche Verantwortung sprechen wir in den kommenden Wochen mit sechs Führungskräften, die das Thema in ihrem Familienunternehmen verantworten.

Für Unternehmen ist das Übernehmen von Gesellschaftlicher Verantwortung (CSR) heute wichtiger denn je. Allerdings gibt es keinen einheitlichen Ansatz, besonders Familienunternehmen haben häufig eine sehr individuelle CSR-Strategie.

In diesem Interview erzählt uns Diego Falsini, wie ELCO mit Sportsponsoring die Jugend der Region fördert.

Wie definiert ELCO „Gesellschaftliche Verantwortung“?

ELCO ist ja eine Tochtergesellschaft der Ariston Group, einem italienischen Unternehmen mit Hauptsitz in Fabriano. Von unserem Gründer, Aristide Merloni, gibt es ein sehr schönes Zitat, welches unsere Idee von „Gesellschaftlicher Verantwortung“ hervorragend beschreibt: „There is no value in the economic success of any industrial initiative unless it is accompanied by a commitment to social progress“, zu Deutsch also: „Der wirtschaftliche Erfolg eines Unternehmens ist nur dann von Wert, wenn er mit einem Engagement für den sozialen Fortschritt einhergeht.“ Dieses Zitat ist bereits von 1967 und beschreibt einerseits natürlich unsere Wurzeln, anderseits aber auch meine persönliche Philosophie und die von ELCO allgemein sehr gut.
 

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Die B-Jugend des JFC Kaspel, gesponsort von ELCO

Foto: ELCO

Wie integrieren Sie gesellschaftliche Verantwortung in Ihre Unternehmensstrategie? 

Wir haben als Unternehmen Werte definiert. Zu diesen Werten zählen: Integrität, die Verantwortung für Umwelt und unsere Kunden und dass der Mensch bei uns an erster Stelle steht. Unsere Werte sind die Basis für die Mitarbeitergespräche und -beurteilung. Wir nennen es Leadership-Modell, aber es beschränkt sich nicht auf Führungskräfte. 

Im Laufe des Jahres gibt es zudem immer wieder Aktionen bei uns, um unsere Werte unter den Mitarbeitenden aktiv hochzuhalten. Extern versuchen wir auch unseren Kunden für unsere Initiativen, besonders im Bereich der Jugendsportförderung, zu begeistern.

In den vergangenen zwölf Jahren haben wir in diesem Bereich eine Vielzahl von Programmen ins Leben gerufen und haben mehr als 1000 Vereine mit einer Summe von mehr als einer Million Euro unterstützt. 
 

Haben Familienunternehmen Ihrer Meinung nach ein höheres Maß an gesellschaftlicher Verantwortung?

Definitiv! Es gibt immer eine Beziehung zwischen der Familie und den Standorten, an denen das Unternehmen tätig ist. Jeder von uns gibt auf sein Zuhause acht und dementsprechend kümmern sich Familienunternehmer auch um ihre Umwelt, um den Standort langfristig zu sichern. Die Familie Merloni ist das beste Beispiel dafür, dass Familienunternehmer deutlich mehr Initiative bei Themen wie Gesellschaft, Umwelt und Kultur ergreifen. 

In der Praxis heißt das bei Ariston: wir haben eine klare CSR-Roadmap mit eindeutigen Nachhaltigkeitszielen bis zum Jahr 2030. Aber auch für unsere Mitarbeitenden, unsere Geschäftsbereiche und Kunden sind in dieser Roadmap klare Strategien formuliert.

 

Wie stellen Sie sicher, dass Ihre CSR-Initiativen erfolgreich sind und die Bedürfnisse der Gemeinschaft erfüllen?

Gute Frage, denn natürlich möchten wir den Erfolg unserer Initiativen gerne statisch greifbar machen, aber gerade im CSR-Bereich ist eine objektive Messung nicht immer ganz einfach. Ich glaube, effektiver ist es, die Reputation eines Unternehmens zu beobachten. Und ich glaube: wir haben in den letzten Jahren sehr erfolgreich unsere Markenreputation verbessert. Nicht nur, um als Arbeitgeber attraktiver zu wirken, sondern auch um als authentisch nachhaltiges Unternehmen aufzutreten. Hierzu befragen wir auch laufend unsere Kunden. Von ihnen Feedback einzuholen, hat sich stark bewährt.
 

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Prof. Dr. Claudia Kemfert

Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) und Professorin für Energiewirtschaft und Energiepolitik an der Leuphana Universität

Welche Schlüsselmetriken sollten Familienunternehmen verfolgen, um ihre Nachhaltigkeitsleistung zu messen? 


„Nachhaltigkeit umfasst nicht nur Klimaschutz, Umweltschutz, den nachhaltigen Umgang mit Ressourcen auch durch Kreislaufwirtschaft, sondern auch viele soziale Komponenten, wie Geschlechtergerechtigkeit, Diversität aber auch die Integration aller Generationen. Somit sollten nicht nur CO2-Emissionen auf allen Ebenen gemessen werden, sondern auch der nachhaltige Umgang mit Umwelt und Ressourcen, sowie alle sozialen Kriterien.“
 

Wie aber gelingt es ELCO, dass Initiativen als authentisch wahrgenommen werden? 

Bei uns ist es so, dass ja ein Großteil unserer Initiativen in Zusammenarbeit mit unseren Kunden läuft. Wie schon erwähnt: ein großer Teil unserer CSR-Maßnahmen liegt im Bereich der Jugendsportförderung.  Und wenn wir hier nicht authentisch auftreten, dann bekommt das auch jeder mit. Was wir ohnehin nicht haben, sind Aktionen, die gut klingen, aber letztendlich nur auf dem Papier stattfinden. Solche Geschichten möchten wir vermeiden, für mich ist so etwas der Inbegriff des Greenwashings. Bei ELCO und Ariston sind es viele kleinere, lokale Initiativen, bei denen auch immer die Menschen vor Ort involviert sind.
 

Welche konkreten Erfolge Ihrer Initiativen können Sie mir denn nennen? 

Wir kommunizieren unsere Initiativen und deren Erfolge sehr viel über die soziale Medien. In Rahmen unseres Kundenprogramms SELECTO statten wir regelmäßig Kinder- und Jugendsportvereine mit neuen Trikots, neuer Sportkleidung, Hoodies, Bällen, Sporttaschen und vielem mehr aus.

Aber wir sponsoren auch den HBW Balingen-Weilstetten, der dieses Jahr zurück in die 1. Handball-Bundesliga aufgestiegen ist. Für die Verabschiedung von Martin Strobel, einem ehemaligen deutschen Nationalspieler und Europameister, der auch für den HBW spielte und aus der Region stammt, haben wir bei der öffentliche Abschiedsfeier  mitgewirkt. Mit dieser Initiative gelang es Martin, eine große Spende für die Kinder-Krebs-Nachsorge in Tübingen zu sammeln.
 

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Christian Felber

Wirtschaftssystemkritiker und Bestseller-Autor (u.a. „Die Gemeinwohl-Ökonomie“) 

Foto: Robert Gortana

Wie können Unternehmen authentisch ihre Nachhaltigkeitsaktivitäten kommunizieren?

„Ich ziehe mal einen Vergleich: Angenommen, jedes Unternehmen würde mittels der PR-Abteilung darstellen, wie solide seine Finanzen sind, ohne seine Aussagen zu belegen: Es würde niemanden interessieren, jeder würde sagen: ‚Zeig mir doch deine Bilanz!‘.

Auch im Bereich CSR müssen wir hin zu einer standardisierten, vergleichbaren, quantifizierten und extern bewerteten Darstellung sowie standardisierten Indikatoren und Berichtsthemen. Das würde auch allen Unternehmen helfen, die aktuell schon wichtige Maßnahmen umsetzen. Denn die geraten ja in einen unfairen Nachteil gegenüber denjenigen, die das Gleiche von sich behaupten, aber bei denen nichts dahintersteckt.“ 
 

Wie gelingt es, dass gesellschaftliche Verantwortung auch von den Mitarbeitenden mitgedacht wird? 

Ja, das ist natürlich eine Herausforderung. In jedem Unternehmen der Welt wird es bei Mitarbeiterbefragungen immer Punkte geben, die von der Belegschaft als verbesserungsfähig angesehen werden, und fast immer ist Kommunikation einer dieser Punkte (lacht). 

Generell ist Kommunikation natürlich die Grundlage für jeden Erfolg und vor allem mit den Mitarbeitenden muss diese authentisch sein. Nur so kann man alle für CSR-Initiativen begeistern. In der Vergangenheit haben wir das nicht immer geschafft. Intern war Vielen hier im Unternehmen gar nicht bewusst, wofür wir uns engagieren und was wir im Nachhaltigkeitsbereich schaffen wollen. Durch Mitarbeiterbefragungen haben wir das bemerkt und sind jetzt sehr bemüht, dass unsere Führungskräfte die gesellschaftliche Verantwortung vorleben und auf Initiativen hinweisen.
 

Noch einen Schritt weitergefasst: Wie sieht es denn mit externen Partnerunternehmen aus? Wie sichert ELCO, dass auch bei diesen Gesellschaftliche Verantwortung mitgedacht wird?

Der Prozess, bis wir beispielsweise mit neuen Lieferanten kooperieren, ist sehr strukturiert und anspruchsvoll. Ein noch besseres Ausloten der Zusammenarbeit mit Lieferanten ist beispielsweise auch Teil der Roadmap bis 2030. Natürlich ist es unser Ziel, sicherzustellen, dass wir mit gleichgesinnten Unternehmen zusammenarbeiten.

Die Initiativen innerhalb unseres Kundenprogramms, über die ich zuvor bereits gesprochen habe, sind stark auf gesellschaftliche Verantwortung ausgerichtet und machen es daher attraktiv für Partner, die ein klares Interesse daran haben, in diesem Sinne einen Beitrag zu leisten. 
 

Interview: Maximilian Kaiser

In dieser Reihe haben wir die selbstgewählten Personenbezeichnungen der Interviewpartner beibehalten.  Dadurch entstehen Unterschiede in der Genderschreibweise.

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