Definition und volkswirtschaftliche Bedeutung von Familienunternehmen

Begriff

Der Begriff „Familienunternehmen“ ist eine Wortschöpfung, für die sich der führende Experte für Familienunternehmen in Europa, Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Brun-Hagen Hennerkes, seit jeher einsetzt. Dabei kritisiert er die Gleichsetzung von Familienunternehmen mit dem Begriff des Mittelstands. Familienunternehmen gibt es immerhin in allen Größenklassen und in jeglicher Rechtsform.

Definition

Seit 2007 wird in der EU eine einheitliche Definition für Familienunternehmen genutzt, an deren Erstellung die Stiftung Familienunternehmen beteiligt war. Sie fungiert als offizieller Vertreter der Bundesrepublik Deutschland in der Expertengruppe Familienunternehmen bei der EU-Kommission.

Ein Unternehmen beliebiger Größe ist ein Familienunternehmen, wenn:

  1. sich die Mehrheit der Entscheidungsrechte im Besitz der natürlichen Person(en), die das Unternehmen gegründet hat/haben, der natürlichen Person(en), die das Gesellschaftskapital des Unternehmens erworben hat/haben oder im Besitz ihrer Ehepartner, Eltern, ihres Kindes oder der direkten Erben ihres Kindes befindet, und
  2. die Mehrheit der Entscheidungsrechte direkt oder indirekt besteht, und/oder
  3. mindestens ein Vertreter der Familie oder der Angehörigen offiziell an der Leitung bzw. Kontrolle des Unternehmens beteiligt ist.

Börsennotierte Unternehmen entsprechen der Definition eines Familienunternehmens, wenn die Person(en), die das Unternehmen gegründet oder das Gesellschaftskapital erworben hat/haben oder deren Familie(n) oder Nachfahren, aufgrund ihres Anteils am Gesellschaftskapital mindestens 25 % der Entscheidungsrechte hält/halten.

Diese Definition umfasst auch Familienunternehmen, die die erste Generationsübertragung noch nicht vollzogen haben. Sie umfasst weiterhin Einzelunternehmer und Selbstständige (sofern eine rechtliche Einheit besteht, die übertragen werden kann).

Volkswirtschaftliche Bedeutung

Grafik Familienkontrollierte Unternehmen Eigentümergeführte Familienunternehmen

Grafik: Der Entrepreneurs Club, Quelle: Stiftung Familienunternehmen (2019)

Auch aus der Perspektive der volkswirtschaftlichen Bedeutung spielen Familienunternehmen eine essenzielle Rolle. Völlig zu Recht werden sie als Rückgrat der deutschen Wirtschaft bezeichnet, sind doch neun von zehn Firmen in Familienhand und stellen insgesamt fast 60 % aller Arbeitsplätze bereit. Die, mit einem Anteil von 95 % bedeutendste Unternehmensform Deutschlands erwirtschaftet rund die Hälfte des gesamten deutschen Umsatzes und stellt 80 % der Ausbildungsplätze.

Die Studie der Stiftung Familienunternehmen „Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Familienunternehmen“ liefert weitere, wertvolle Erkenntnisse. Sie differenziert zwischen familienkontrollierten und eigentümergeführten Unternehmen. Bei Letzteren übernimmt wenigstens einer der Eigentümer auch die Leitung des Unternehmens.

Studie zum Download:
„Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Familienunternehmen“

Bei ca. 90 % der Unternehmen liegt der Studie zufolge die Kontrolle in Familienhand, sie besetzen damit den größten Anteil an aktiven Unternehmen in Deutschland. Obwohl Familienunternehmen im Durchschnitt eher kleinere Unternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten sind, wird ihnen ca. die Hälfte der Gesamtbeschäftigung und des Umsatzes der Privatwirtschaft zugerechnet. Insbesondere in der Baubranche und im Handelssektor ist der Anteil von Familienunternehmen hoch. Quantitativ gesehen weisen Familienunternehmen in den neuen Bundesländern eine höhere Bedeutung auf. In Thüringen sind die meisten davon angesiedelt.
 

Jobmotor Familienunternehmen, Stiftung Familienunternehmen

Familienunternehmen bilden die Zentren ökonomischer Kreativität und Effizienz, um die Deutschland weltweit beneidet wird: Von 2007 bis 2016 wurde von den 500 größten deutschen Familienunternehmen (nach Mitarbeiterzahl) ein weltweites Beschäftigungswachstum von 27 %, und ein weltweites Umsatzwachstum von 36 % erzielt. Im Durchschnitt sind diese Familienunternehmen 101 Jahre alt. 25 davon wurden bereits in der Zeit vor 1800 gegründet.In Gesprächen mit chinesischen Experten wird immer wieder deutlich, dass sie Europa und vor allem Deutschland aufgrund seiner Familienunternehmen für ökonomisch aussichtsreich und zukunftsfähig halten.

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