Venture Capital

Experte - Moritz Förster

Foto: Privat

Fragen an Experte Moritz Förster, Managing Partner bei der UnternehmerTUM for Companies

In den kommenden Wochen dreht sich bei uns alles um das Thema Venture Capital Investitionen von Familienunternehmen. Führungskräfte Deutschlands und Unternehmensnachfolger:innen führender deutscher Familienunternehmen verraten uns exklusiv, welche Rolle Venture Capital in ihrem Unternehmen spielt und welchen Einfluss es auf ihre Entwicklung hat.

Doch auch unabhängige Expert:innen aus Wissenschaft und Gesellschaft kommen bei uns zu Wort.

In diesem Interview erklärt Moritz Förster, warum Venture Clienting die schnellste Möglichkeit der Kollaboration mit einem Start-up ist.

Das ist Moritz Förster

Moritz Förster ist Managing Partner bei der UnternehmerTUM for Companies. Die UnternehmerTUM ist Europas größtes Innovations- und Gründungszentrum. Der Innovationsexperte fördert Partnerschaften zwischen etablierten Unternehmen und Start-ups, beim Venture Clienting, Scouting und Matchmaking für Pilotprojekte und unterstützt bei der Transformation. Zuvor war der studierte Betriebswirt in den Bereichen M&A, Operational Strategy und Digitale Transformation in verschiedenen Managerrollen bei Siemens tätig.

Wie weit hat Corporate Venture Capital in kleineren und mittelgroßen Familienunternehmen Fuß gefasst?

Moritz Förster: CVC sehen wir in kleinen und mittleren Familienunternehmen noch weniger stark verbreitet als in großen Konzernen. Aber es gewinnt auch dort an Bedeutung. Viele kleinere KMUs lernen gerade das Potenzial der Zusammenarbeit mit Start-ups kennen. Sie agieren aber meist noch sehr vorsichtig und selektiv. Wer als Unternehmen eine finanzielle Beteiligung an einem Start-up eingeht, trägt natürlich ein größeres Risiko. Auf der anderen Seite fallen im Erfolgsfall auch höhere Renditen an. Unternehmen ohne Erfahrung in diesem Geschäft sind sehr zurückhaltend, wenn es darum geht, viel Geld auf nur eine Karte zu setzen, auf nur ein Start-up. Deswegen gibt es auch andere Methoden, mit Start-ups zusammenzuarbeiten.

 

Was sind denn die Triebfedern, das überhaupt zu tun?

Eine wichtige Triebfeder ist der Transformationsdruck, dem sich immer mehr Branchen gegenübersehen. Der ist zwar unterschiedlich groß, aber letztlich gibt es keine Branche, deren Geschäftsmodelle vor Disruption geschützt sind. Zuletzt ist dieser Transformationsdruck durch künstliche Intelligenz noch einmal erheblich gewachsen. Die zweite Triebfeder ist der Fachkräftemangel. Der führt dazu, dass immer stärker über Automatisierung nachgedacht wird, etwa über Robotiklösungen. Schließlich zwingen auch politische Vorgaben dazu, Veränderungen im eigenen Haus vorzunehmen und dafür Lösungen zu suchen. Man denke nur an die vielen Nachhaltigkeits-Vorgaben, wie zum Beispiel die ESG-Vorschriften. Das sind die drei wichtigsten Gründe, sich nach Lösungen umzusehen und in diesem Zuge auch an Start-ups zu denken. Hinzu kommt die weiter voranschreitende Digitalisierung, die konsequente Ausrichtung von Geschäftsmodellen auf eine digitale Ebene. Da geht es zum Beispiel darum, neue digitale Services anzubieten. Start-ups bieten sehr schnell Zugang zu neuen Technologien. Sie helfen auch dabei, innovative Geschäftsmodelle zu entwickeln und oder neue Märkte zu erschließen, vielleicht auch mit Kunden, die bisher noch nicht Zielkunden waren. Unternehmen müssen sich heute immer fragen, ob sie noch zukunftsfähig sind. Wir sehen keine Branche, die es sich leisten kann, das zu vernachlässigen und dennoch wettbewerbsfähig zu bleiben.

 

Wie kommt man als kleineres oder mittelgroßes Unternehmen überhaupt in Kontakt zu Venture oder zu Start-ups?

Zuerst muss im Unternehmen die Notwendigkeit der Veränderung oder Anpassung überhaupt erkannt werden. Dann stellt sich die Frage, inwieweit man die Kompetenzen dazu im Haus hat. Wenn das entsprechende Wissen nicht da ist, kann man sich überlegen, es bei einem Start-up zu suchen. Wie findet man die? Man kann natürlich googeln oder in Datenbanken suchen und dann eine Anfrage losschicken. Das dürfte nicht sehr erfolgreich sein. Viel besser ist es, Networking-Veranstaltungen zu besuchen oder Start-up-Messen- und Konferenzen. Ein anderer Ansatz ist es, sich an große Start-up-Ökosysteme wie UnternehmerTUM zu wenden. Dort gibt es zahlreiche Veranstaltungen, auf denen sich Start-ups vorstellen und man kommt leichter in direkten Kontakt mit ihren Kunden. Ein guter Weg ist unserer Erfahrung nach, wenn wir kleinere und mittelgroße Unternehmen auf ihrem Weg zu Pilotprojekten mit Start-ups beratend begleiten. Das hilft vor allem dabei, die unterschiedlichen Arbeitsweisen von etablierten und jungen Unternehmen zu verstehen.

 

Wie groß ist das Interesse von Start-ups, sich von Unternehmen kaufen zu lassen?

Start-ups wollen in aller Regel nicht so gerne von Unternehmen gekauft werden, weil sie fürchten, dass sie das am Wachstum hindert. Aber es gibt Gründe, warum manche das doch tun. Zum Beispiel dann, wenn sich ein Start-up in einem Umfeld mit sehr viel Wettbewerb befindet und sich mit seiner eigenen Technologie nicht durchsetzen kann, weil es Probleme mit seiner Sichtbarkeit hat. Es kann sich also im “Haifischbecken” nicht durchsetzen. Dann kann der bessere Weg sein, mit einem Unternehmen zusammenzugehen. Es ist auch kein Geheimnis, dass viele Start-ups nicht erfolgreich sind und irgendwann kurz vor der Insolvenz stehen. Dann kann es durchaus Sinn machen, einzelne Assets strategisch zu verkaufen und das Know-how der Gründer gleich mit.

 

Welche Vorteile bietet Venture Clienting den Unternehmen?

Bei der Kollaboration mit einem Start-up gibt es grundsätzlich drei Möglichkeiten. Erstens, man kauft das Start-up – eine Akquisition. Zweitens, man baut als Unternehmen ein eigenes Start-up auf – das nennt man Venture Building. Oder drittens, man arbeitet eine Zeitlang mit einem Start-up zusammen – Venture Clienting. Venture Clienting ist hier die schnellste Möglichkeit der Kollaboration und auch die Variante, in der am wenigsten Kapitaleinsatz nötig ist. Dabei fungiert das etablierte Unternehmen als Kunde oder Pilot-Partner des jungen Unternehmens. Als Unternehmen kauft man also nicht das Start-up, sondern man kauft die Lösung, eine Technologie oder ein Produkt, die es entwickelt hat und probiert sie unter realen Bedingungen im eigenen Unternehmen aus. Das Risiko ist geringer, weil keine direkte Kapitalinvestition in das Start-up erfolgt. Als etabliertes Unternehmen bekommt man nicht nur Zugang zu disruptiver Technologie, sondern lernt auch die Arbeitsweise von Start-ups kennen, die andere Kultur, andere Entscheidungsgeschwindigkeiten. Eine gute Übung, bevor man über eine Akquisition oder andere Formen der Beteiligung spricht.

 

Erleichtert Venture Clienting der Einstieg ins CVC-Geschäft?

Wir erleben es bei UnternehmerTUM immer wieder, dass Partner-Unternehmen Technologien im Rahmen von Venture Clienting mit mehreren Start-ups testen, die Lösungen vergleichen und sich anschließend entweder mit einer Minderheits- oder einer Mehrheitsbeteiligung an Start-ups beteiligen. Es gibt ihnen einfach ein besseres Gefühl, wenn sie das Start-up  und dessen Produkt schon kennen. Ein Einstieg in CVC scheint ihnen dadurch weniger riskant.

 

Inwieweit bremst die aktuell unsichere wirtschaftliche Situation das CVC-Geschäft?

Bei dem einen oder anderen Partner, mit dem wir zusammenarbeiten, sehen wir eine Zurückhaltung. Angesichts der vielen Unsicherheiten überwiegt die Vorsicht. Auf der anderen Seite hat der familiengeführte Mittelstand gerade in einer solchen Situation Vorteile. Er hat meist eine langfristige Perspektive, also einen längeren Atem. Wir sehen, dass gerade Unternehmen, viele auch in Familienstand, die bislang noch keine Berührung mit Venture Capital oder Start-ups hatten, jetzt in dieses Geschäft einsteigen möchten, sei es in CVC, Venture Clienting oder eine andere Art der Kollaboration. Sie wollen sich langfristig zukunftsfähig aufstellen, das liegt in ihrer DNA.

 

Interview: Bärbel Brockmann

In dieser Reihe haben wir die selbstgewählten Personenbezeichnungen der Interviewpartner beibehalten. Dadurch entstehen Unterschiede in der Genderschreibweise.

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