Venture Capital

Venture Capital - Dr. Sebastian Dreher, Venture Manager US bei der Döhler Group

Foto: Döhler Group

Im Gespräch mit Dr. Sebastian Dreher, Venture Manager US

In den kommenden Wochen dreht sich bei uns alles um das Thema Venture Capital Investitionen von Familienunternehmen. Führungskräfte Deutschlands und Unternehmensnachfolger:innen führender deutscher Familienunternehmen verraten uns exklusiv, welche Rolle Venture Capital in ihrem Unternehmen spielt und welchen Einfluss es auf ihre Entwicklung hat.

Doch auch unabhängige Expert:innen aus Wissenschaft und Gesellschaft kommen bei uns zu Wort.

In diesem Interview spricht Dr. Sebastian Dreher mit uns darüber, wie Gründer:innen von Ihrer Erfahrung profitieren können.

Warum hat Döhler seinen amerikanischen VC-Standort in Los Angeles und nicht im Silicon Valley?

Los Angeles ist für uns nicht nur ein Ort. Es ist ein Ökosystem für Food Innovation. Hier treffen frische Ideen auf fruchtbare Böden – im wahrsten Sinne des Wortes. Südkalifornien ist ein riesiges Agrarzentrum, von dem aus Produkte das ganze Land erreichen. Gleichzeitig ist L.A. das Herz der Markenbildung. Trends entstehen hier nicht nur – sie werden gelebt. Gesunde Ernährung, ein bewusster Lifestyle, pflanzliche Innovationen: Genau hier sehen wir die Dynamik, die uns antreibt. Für uns war klar, wenn wir neue Food- und Beverage-Ideen frühzeitig erkennen und mitgestalten wollen, ist Los Angeles der richtige Ort.

 

Venture Capital - Döhler

Wie kam es dazu, dass Döhler in das Venture-Geschäft eingestiegen ist?

Innovation steckt in unserer DNA, aber wir wissen auch, wo unsere Grenzen liegen. In manchen Bereichen, etwa bei disruptiven Marken oder radikal neuen Produkten, sind Start-ups einfach schneller. Vor gut zehn Jahren haben wir unser Innovationsmanagement deutlich ausgebaut und dabei erkannt, wie viel Kraft in der Zusammenarbeit mit Gründern steckt. Unseren ersten Schritt ins VC-Geschäft haben wir 2013 getan. Seitdem nutzen wir unsere Marktkenntnis, um frische Ideen zu erkennen und frühzeitig zu fördern. Unsere Kunden wollen von uns immer wissen, was denn “the next big thing” wird. Unser Anspruch ist es, die nächste große Food- oder Beverage-Innovation gemeinsam mit mutigen Gründern zu gestalten.

 

Wie arbeiten Sie denn konkret?

Wir investieren sehr früh, bewusst mit Minderheitsbeteiligungen. Denn wir glauben an Gründer, die Verantwortung übernehmen und ihre ganze Leidenschaft und Überzeugung einbringen. Gleichzeitig bringen wir unsere Expertise ein: Als strategischer Partner mit jahrzehntelanger Erfahrung in Ingredients und Marktdynamiken. Gründer schätzen unseren Weitblick. Sie wissen, dass wir nicht an den schnellen Exit denken, sondern auf langfristige Relevanz fokussiert sind. Und ja, es hilft auch, dass wir dank unserer Struktur als eigenständige Tochter flexibel denken und handeln können.

 

Investieren Sie in Ideen oder in Produkte?

Am liebsten investieren wir in Start-ups, die schon ein erstes Produkt am Markt haben. Etwas, das man verkosten kann. Gründer, die bereits ihr eigenes Geld investiert haben und erste Unterstützer überzeugen konnten, zeigen uns: Sie meinen es ernst. Wir sind in den USA und Europa aktiv – mit besonderem Fokus auf Deutschland und Großbritannien.

 

Woher kommen die Mittel für Ihre Investments?

Die Döhler Ventures GmbH ist eine eigenständige Gesellschaft innerhalb der Döhler-Gruppe. Wir werden aus der Bilanz der Gruppe finanziert, wir haben also keinen eigenen Fonds aufgesetzt. Das gibt uns ein hohes Maß an Flexibilität und erlaubt uns, unabhängig zu denken. Kein externer Fonds heißt keine künstlichen Zeitlimits. Wenn uns ein Team überzeugt, investieren wir. Und wenn nicht, warten wir bis das nächste große Ding kommt. Diese Geduld ist ein echter Vorteil.

 

Wie ist Ihr Investitions-Fokus?

Gesundheit, Funktionalität, Nachhaltigkeit. Das sind keine Buzzwords für uns, das ist unsere Realität. Ein Trend waren Protein-Zusätze. Dieser Trend hat sich inzwischen abgeschwächt. Ganz neu ist der Trend zu Ballaststoffen in Lebensmitteln und Getränken. Sie ersetzen Zucker, sättigen und fördern das Wohlbefinden. Genau dort setzen wir an: mit funktionalen Ingredients, die Gesundheit und Genuss verbinden.

 

< >Experte - Moritz Förster

Moritz Förster

Managing Partner bei UnternehmerTUM for Companies.

Foto: Privat

Inwieweit bremst die aktuell unsichere wirtschaftliche Situation das CVC-Geschäft?

Bei dem einen oder anderen Partner, mit dem wir zusammenarbeiten, sehen wir eine Zurückhaltung. Angesichts der vielen Unsicherheiten überwiegt die Vorsicht. Auf der anderen Seite hat der familiengeführte Mittelstand gerade in einer solchen Situation Vorteile. Er hat meist eine langfristige Perspektive, also einen längeren Atem. Wir sehen, dass gerade Unternehmen, viele auch in Familienstand, die bislang noch keine Berührung mit Venture Capital oder Start-ups hatten, jetzt in dieses Geschäft einsteigen möchten, sei es in CVC, Venture Clienting oder eine andere Art der Kollaboration. Sie wollen sich langfristig zukunftsfähig auf stellen, das liegt in ihrer DNA.

In wirtschaftlich schwierigen Zeiten steigen viele Unternehmen aus dem VC-Geschäft aus. Wie sieht das bei Döhler aus?

Wir sehen gerade jetzt viele starke Teams mit spannenden Ideen. Krisenzeiten bringen oft echte Innovationen hervor. Aber klar ist auch, dass wir selektiver investieren. Qualität zählt. Wenn wir überzeugt sind, gehen wir mit – und zwar flexibel, fokussiert und mit echtem Commitment. Wir können uns Flexibilität und Geduld leisten, weil wir kein Fonds sind. Das ist ein großer Vorteil unserer Struktur in einem Familienunternehmen.

 

Interview: Bärbel Brockmann

In dieser Reihe haben wir die selbstgewählten Personenbezeichnungen der Interviewpartner beibehalten. Dadurch entstehen Unterschiede in der Genderschreibweise.

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