Wertekultur in Familienunternehmen

Familienunternehmen gelten in Deutschland als Garant für sichere Jobs und wirtschaftliches Wachstum. Daran ist maßgeblich eine, allen Familienunternehmen eigene, besondere Wertekultur beteiligt, die sich meist über Generationen hinweg aufgebaut und transportiert hat. Unternehmerfamilien formulieren einen gemeinsamen Wertekanon, sowohl für das Unternehmen, als auch für die Familie und deren Inhaberrolle.

Wertschätzung

Familienunternehmen verstehen sich als Gemeinschaft und brauchen demnach eine starke Identität. Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wird nicht einfach eine anonyme Personalnummer zugeordnet; Stattdessen steht das Familienunternehmen in einem engen Verhältnis zu den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, sowie sogar deren Familien. Die gute Beziehung zwischen den Eigentümern, dem Unternehmen und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist ein herausragendes Merkmal.

Richard Oetker, Geschäftsführer 2010-2016 und Gesellschafter der Dr. August Oetker KG auf dem 11. Karrieretag Familienunternehmen

Richard Oetker, Geschäftsführer 2010-2016 und Gesellschafter der Dr. August Oetker KG auf dem 11. Karrieretag Familienunternehmen

Wie in einer Familie üblich, wird auch hier grundsätzlich ein positives und wertschätzendes Menschenbild zu Grunde gelegt. Richard Oetker, 2010-2016 Geschäftsführer und Gesellschafter der Dr. August Oetker KG, brachte diese Grundhaltung auf dem 11. Karrieretag Familienunternehmen mit den Worten „Der Mensch steht bei uns im Mittelpunkt“ zum Ausdruck. Auch wenn nicht jedes Familienmitglied dieselben Talente und möglicherweise gleich hoch anzusetzende Leistungsfähigkeit besitzt, so ist doch jeder Einzelne in der Familie wichtig und wird als Mensch grundsätzlich geschätzt. Diese innere Grundhaltung hat positive Auswirkungen auf die Arbeitsatmosphäre und fördert den Teamgeist, oder, wie es sich innerhalb einer, von der Stiftung Familienunternehmen in Auftrag gegebenen Forsa-Befragung finden lässt: „sich sicher und wohl zu fühlen, stellt einen eigenen Wert dar, der Arbeitskräfte produktiver macht.“

Wertebeitrag

„Fordern und fördern“ ist ein weiterer Grundsatz, der in der Wertekultur von Familienunternehmen konsequenterweise eine hohe Bedeutung innehat. In dem Maße, in dem Familienunternehmen Verantwortung und eine fürsorgende Rolle gegenüber ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern übernehmen, fordern sie im Gegenzug auch von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein hohes Verantwortungsgefühl gegenüber Kollegen und Unternehmen.

Andreas Engelhardt, persönlich haftender Gesellschafter der Schüco International KG

Andreas Engelhardt, persönlich haftender Gesellschafter der Schüco International KG

Doch Verantwortung baut auf Vertrauen, - und wem man vertraut, dem gesteht man auch Freiheiten zu. Innerhalb von Familienunternehmen wird Eigenverantwortlichkeit gefördert und gefordert – ein Umstand, der Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern folglich auch viele Freiräume eröffnet, die den Weg für eine freie Entfaltung innerhalb des individuellen Karrierepfads bereiten. In Familienunternehmen gibt es keine Beförderungen abhängig von der Dauer der Betriebszugehörigkeit. Das liegt daran, dass die Unternehmerfamilien ein hohes Interesse daran haben, diejenigen Personen zu fördern, die einen Wertebeitrag leisten. Hieraus ergeben sich für engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Karriereperspektiven, die in Nicht-Familienunternehmen oft nicht möglich sind.

In einigen großen Familienunternehmen sind heute CEOs tätig, die sich innerhalb des Unternehmens entwickelt haben und von der Familie gefördert wurden. Ein Vorzeigebeispiel hierfür ist Andreas Engelhardt, der heute persönlich haftender Gesellschafter der Schüco International KG ist. „Wir fördern und fordern unsere Mitarbeiter stetig, um ihre individuellen Fähigkeiten optimal zu entwickeln. Kommuniziert wird offen, respektvoll und auf Augenhöhe.“, so Herr Engelhardt in seinem Grußwort vom 20. Karrieretag Familienunternehmen bei Schüco.

Stabilität & Langfristigkeit

Da in Familienunternehmen Nachhaltigkeit eine große Rolle spielt, sind auch alle unternehmerischen Aktivitäten langfristig, meist mit Blick auf die Folgegenerationen, angelegt. Diese Langfristigkeit hat einen festen Platz in der Wertekultur und verhilft familienkontrollierten Unternehmen dazu, schweren Zeiten besser standzuhalten, so auch Dirk Giersiepen, Geschäftsführender Gesellschafter der Gira Girsiepen GmbH & Co. KG, im Video-Interview.

Anders als anonyme Nicht-Familienunternehmen reagieren sie auf größere Umsatzschwankungen nicht mit einer entsprechenden Beschäftigungsanpassung und das sowohl in guten wie auch in schlechten Zeiten. So sind ein gemäßigterer Stellenaufbau bei wirtschaftlichen Aufschwung, aber auch ein geringerer Stellenabbau in Krisenzeiten gleichermaßen zu verzeichnen. In schwierigen Wirtschaftslagen haben sie sich deshalb oftmals als stabilisierend erwiesen.