Mit welch langfristigen Problemen kann sich der Fachkräftemangel denn speziell bei einem Familienunternehmen bemerkbar machen?
Christina Nuss: Im Bereich der Auszubildenden und in der Entwicklung von Nachwuchskräften sehen wir ein großes Handlungsfeld: hier müssen wir aktiv werben, denn durch das Ausscheiden der geburtenstarken Jahrgänge in den nächsten Jahren kommt auf uns eine große Aufgabe zu, die wir über die Sicherung von Nachwuchskräften noch gut steuern können.
Wir begreifen den Fachkräftemangel als Antrieb, die Attraktivität unseres Unternehmens kontinuierlich zu verbessern. Wir müssen unsere Hausaufgaben machen und als Arbeitgeber attraktiv bleiben. Neben unserem gut gelegenem Standort Pforzheim, mit einem großen Einzugsgebiet zwischen Stuttgart und Karlsruhe, sind wir mit weiteren, mit Familienunternehmen assoziierten Vorteilen, gut aufgestellt: Bei uns ist beispielsweise die generationsübergreifende Verbundenheit etwas, dass man häufig erlebt. In der Führungsetage ist die Familie Witzemann mittlerweile in der fünften Generation. Wir besitzen eine lange Familiengeschichte mit viel Tradition. „Generationsübergreifend“ bezieht sich bei uns auch nicht ausschließlich auf die Führungsebene. Aktuell beschäftigen wir in den Ausbildungsberufen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in dritter Generation. Darauf sind wir besonders stolz.
Christine Wüst: Aktuell kämpfen doch einige Unternehmen um uns herum in Baden-Württemberg und aus der Presse hören wir, dass Maßnahmen zum Stellenabbau geplant sind. Ich bin gespannt, wie sich die Situation mit dem Fachkräftemangel weiterentwickelt. Uns fällt schon auf, dass sich Leute aus diesen Unternehmen aktiv bei uns melden, weil wir in der Region eine gute Reputation haben. Hier könnte für uns eine konkrete Chance liegen. Gleichzeitig sind wir mitten in der Transformation und nutzen diese Chance unsere Organisation zukunftsgerichtet aufzustellen.
Es ist wichtig für uns, Abläufe und Prozesse, wo immer möglich, zu verschlanken und zu hinterfragen. Die Digitalisierung hat natürlich auch einen großen Einfluss auf das ganze Thema. Ich bin zuversichtlich, dass unser Plan aufgeht und wir die Stellen, die wir auch weiterhin benötigen, gut nachbesetzen können, weil wir ein tolles Unternehmen sind mit den richtigen Werten. Das ist ein hohes Gut. Jeder möchten gerne zur Arbeit gehen und sich auf seine Kolleginnen und Kollegen freuen. Durch die Reorganisation und Fokussierung gepaart mit der Digitalisierung können wir das gut umverteilen.