Bahlsen Fabrik

Langfristigkeit in Familienunternehmen

Bis auf die Ausnahme von zeitlich limitierten Unternehmen wie Projektgesellschaften, deren Geschäftszweck beispielsweise mit der Fertigstellung eines Bauprojektes endet, sind Unternehmen generell auf relative Dauer ausgerichtet. Im Falle von Familienunternehmen nimmt die Ausrichtung auf Langfristigkeit jedoch einen ganz besonderen, sogar grundsätzlichen Stellenwert ein. Prof. Dr. Hermut Kormann, Honorarprofessor für Strategie und Governance in Familienunternehmen an der Zeppelin Universität, sieht in der Langfristigkeit einen der größten Vorteile von Familienunternehmen: „Die Zahl an Börsenunternehmen, die innerhalb einer Generation verschwinden ist erschreckend, bei Familienunternehmen ist die Quote wesentlich niedriger.“ (Quelle: ZU|Daily). Die langfristige Ausrichtung kommt seines Erachtens daher, dass Familienunternehmen ihre Anteile möglichst über viele Generationen erhalten möchten und den Blick über Jahrzehnte hinweg schon auf die nächste Generation richten. Damit wird Langfristigkeit hier auch zu einer bestimmenden Maxime innerhalb der Geschäftspolitik und Unternehmensführung. Eine Tatsache, auf deren Basis sich erhebliche Unterschiede zu Nicht-Familienunternehmen feststellen lassen.

Planung in Generationen

Nicht-Familienunternehmen sind hinsichtlich ihrer Planungsperspektive immer einem Geschäftszweck untergeordnet, der ihre strategischen Entscheidungen bestimmt. Unter Umständen können diese auch eigenmotivierten Motiven von Seiten des Managements unterliegen, beispielsweise im Falle von kurz-, oder mittelfristig geltenden Bonus-Regelungen, die sich auf die eigene Vergütung auswirken. Sie handeln nach eher kurzfristig ausgerichteten Maximen und folgen einer Wirtschaftsplanung in Quartalen.

 

Drei Generationen der Familie Lapp

Drei Generationen: Alexander Lapp, Siegbert E. Lapp, Ursula Ida Lapp, Andreas Lapp, Matthias Lapp (v.l.n.r.)

In starkem Gegensatz dazu folgt die Planungsperspektive bei Familienunternehmen neben dem Geschäftszweck meist auch der damit einhergehenden Grundidee, die Unternehmerfamilie dauerhaft finanziell zu versorgen. Anstatt in Quartalen, wird hier buchstäblich in Generationen gedacht, wobei auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausdrücklich als Teil dieser zu verantwortenden Familie angesehen werden. Das Interesse an ihrem Befinden und ihrem Schicksal ist generationsübergreifend im familiär geprägten Verantwortungsbewusstsein der Unternehmensführung verankert. Ob die Positionen der Entscheidungsträger durch Familienmitglieder in leitenden Funktionen, oder durch Fremdmanagement besetzt sind, spielt hierbei keine Rolle, da sich auch Letztere den Vorgaben aus dem Gesellschafterkreis verpflichtet fühlen.

Stabilität und Verantwortung

Auch unterschiedliche Finanzierungen ziehen nicht nur strategisch-notwendige, sondern auch für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter maßgeblich relevante Differenzen nach sich: In der Krise muss ein am Kapitalmarkt finanziertes Nicht-Familienunternehmen bei bestehenden Absatzproblemen oftmals Standorte schließen, da es sich den Shareholder Value Interessen unterzuordnen hat. Dies geschieht zwangsläufig auf Kosten von Arbeitsstellen. Die negativen Konsequenzen sind für das Nicht-Familienunternehmen scheinbar überschaubar und vertretbar. Während die Folgen für die Riege der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter existenziell sind, verhindert ein schnell wechselndes Management zu nachhaltig in schlechtem Licht erscheinen zu müssen. Mit der Massenentlassung entledigt man sich unangenehmer Personalkosten, woraufhin der Börsenkurs wieder steigt.

Trumpf Firmenzentrale  - Tradition trifft auf Moderne

Trumpf Zentrale in Ditzingen

Familienunternehmen übernehmen bei einem temporären, wirtschaftlichen Abschwung deutlich mehr Verantwortung. Ihre langfristige Ausrichtung kontrolliert und befördert generell ein langsameres, aber dafür kontinuierliches und gesundes Wachstum, das im Endeffekt stärker und nachhaltig zu Buche schlägt. In diesem Sinne garantiert Langfristigkeit eine Stabilität, die sich in Krisenzeiten auszahlt und auf allen Ebenen, von der Unternehmensleitung bis zu den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Fertigung, zur Wirkung kommt.

Da sich die allermeisten Unternehmerfamilien, die ihre Belegschaft als „Teil der Familie“ betrachten, gegenüber den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern höchst verpflichtet fühlen, werden auch in schwierigen Zeiten Massenentlassungen in familiengeführten Unternehmen möglichst vermieden. Ein positives Beispiel hierfür ist das Familienunternehmen TRUMPF, welches stets versucht, den Auswirkungen einer Konjunkturschwäche maximal mit einem Einstellungsstopp entgegen zu wirken.