Mental Health am Arbeitsplatz

Dr. Sonja Fleischer, Chief Human Resources Officer der ebm-papst Gruppe

Foto: ebm-papst Gruppe

Dr. Sonja Fleischer, Chief Human Resources Officer bei der ebm-papst Gruppe

In den kommenden Wochen dreht sich bei uns alles um das Thema Mental Health am Arbeitsplatz bei Familienunternehmen. Führungskräfte Deutschlands und Unternehmensnachfolger:innen führender deutscher Familienunternehmen verraten uns exklusiv, welche Rolle Mental Health in ihrem Unternehmen spielt und welchen Einfluss es auf ihre Entwicklung hat. 

Doch auch unabhängige Expert:innen aus Wissenschaft und Gesellschaft kommen bei uns zu Wort. 

In diesem Interview spricht Dr. Sonja Fleischer mit uns darüber, dass es Teil des Selbstverständnisses der ebm-papst Gruppe ist, die mentale Gesundheit zu fördern.

 

Interview: Bärbel Brockmann, 13.03.2026

Welche Rolle spielt das Thema Mental Health bei ebm-papst? 

Dr. Sonja Fleischer: Das spielt bei uns eine große Rolle. Es ist Teil unseres Selbstverständnisses, die Gesundheit unserer Belegschaft in den Vordergrund zu stellen und sie zu fördern – sowohl die körperliche als auch die mentale Gesundheit. Wir tun das auf allen Ebenen, auch im Management. Bei unseren Geschäftsführungssitzungen beginnen wir jeweils mit einem sogenannten Mental Health Moment. Dabei handelt es sich um eine kurze Meditation unter anderem mit Atemübungen, die die Führungskräfte später auch in ihren Alltag einbauen können. Es geht darum, die Führungskräfte mental zu stärken und ihnen zugleich die Bedeutung von Mental Health für ihre Teams zu verdeutlichen.

 

ebm-papst - Produktion

Wie wichtig ist das denn, die Führungskräfte mitzunehmen? 

Das ist sehr wichtig. Schon vor einigen Jahren hat deshalb eine unserer Inhaberinnen, Chloë McCracken, auf unserem jährlichen International Leadership Summit erklärt, dass das Thema Mental Health immer mehr an Bedeutung gewinnt. Sie hat unsere TOP 130 Führungskräfte weltweit ausdrücklich aufgefordert, sich dieses Themas für sich und ihre Mitarbeitenden anzunehmen.

 

Welche Angebote gibt es? 

Es gibt in der ganzen Gruppe eine Vielzahl von Präventions- und Entwicklungsangeboten, sowohl online als auch in Präsenz. Ich nenne einmal ein paar Beispiele für den Standort Deutschland. Wir bieten hier Workshops, Impulsvorträge und Seminare zu Themen wie “Stressmanagement”, “Mut und Optimismus wagen”, “Positive Energie”, “Achtsamkeit”, “wertschätzende Kommunikation” und “Balance am Arbeitsplatz “ an. Diese Angebote richten sich an alle Mitarbeitenden, auch die in der Produktion. Hinzu kommen spezielle Angebote für Führungskräfte, etwa “Führen in Balance” oder “gesunde Mitarbeitenden Führung”. Wir entwickeln unser Angebot ständig weiter. In diesem Jahr werden wir es zum Beispiel um ein Modul zum Thema “erholsamer Schlaf” erweitern, weil wir aus einer Mitarbeiterbefragung gelernt haben, dass es hier einen Bedarf in der Belegschaft gibt.

 

Gibt es auch spezielle Unterstützung, wenn jemand tatsächlich schon ein psychisches Problem hat? 

Absolut. An unserem Hauptstandort in Mulfingen steht uns für solche Fälle eine Sozialberatung zur Verfügung. Sie kann bei psychischen und mentalen Problemen oft direkt helfen. Und sie kann in der Regel schnell Kontakt zu externen Psychologen und anderen Fachleuten vermitteln. Darüber hinaus stellen wir allen Mitarbeitenden kostenfrei eine psychologische Online-Beratung zur Verfügung. Dort kümmern sich qualifizierte Psychologinnen innerhalb von 24 bis 48 Stunden um die Menschen und ihre Probleme. Jede und jeder aus der Belegschaft kann sich dort anonym melden. Wie gesagt, das sind alles Beispiele aus Mulfingen und Deutschland. In anderen Ländern bieten wir mitunter andere Maßnahmen an. Aber überall leben wir dieselbe Kultur: Die psychische und physische Gesundheit unserer Belegschaft ist uns sehr wichtig – wir haben weltweit mehr als 13.000 Mitarbeitende.

 

Wie kommen die Angebote in der Belegschaft an? 

Die Akzeptanz unserer präventiven Angebote ist sehr hoch. Die Mitarbeitenden nutzen sie sehr stark. Auch das Angebot der Sozialberatung, wird von vielen wahrgenommen. Für manche gibt es sicher immer noch eine Hemmschwelle, aber wir versuchen, diese Hemmungen zu beseitigen, indem wir offen über mentale und psychische Probleme sprechen. Wir vermitteln, dass es völlig in Ordnung ist, über seine Probleme zu sprechen. Wir hatten vor kurzem einen Fall, da hatte ein Mitarbeiter ein Burn-out. Als er nach zwei Monaten gestärkt wiederkam, hat er ganz frei über seine Krankheit gesprochen. Das hilft den Kollegen, Hemmungen abzubauen und psychische Probleme anzusprechen.

 

Sind die Menschen heute weniger resilient als früher? Vor 10 Jahren war Mental Health jedenfalls noch nicht so präsent wie heute. 

Ich glaube, dass es heutzutage viel schwieriger ist, widerstandsfähig zu sein. Unsere Realität ist viel komplexer geworden. Erst hatten wir die Ausnahmesituation der Corona-Pandemie, jetzt haben wir multiple Krisen auf der Welt. Viele Menschen haben Angst vor einem Krieg. Das löst Existenzängste aus. Auf jeden Fall ist die Unsicherheit bei sehr vielen Menschen extrem gewachsen. Früher konnte man sagen, man arbeite bis zur Rente, man lebe in einer sicheren Demokratie. Diese Gewissheiten haben viele Menschen nicht mehr. Das führt bei vielen zu einem hohen Druck, und der beeinträchtigt die mentale Gesundheit. Es ist meist nicht die Situation am Arbeitsplatz selbst oder allein, die zu einem mentalen oder psychischen Problem führt.

 

< >Expertin Nora Dietrich - Psychotherapeutin, Autorin und Gründerin von Between People

Expertin Nora Dietrich

Psychotherapeutin, Autorin und Gründerin von Between People

Ist Mental Health eine Generationenfrage?

Nora Dietrich: Die Generationenforschung sagt immer wieder, dass es mehr Unterschiede innerhalb einer Generation gibt als zwischen den Generationen. Es gibt sehr viele sehr hart arbeitende Gen-Z-ler oder Millennials. Gleichzeitig sehen wir schon, dass diese jungen Generationen zum Beispiel Gesundheit nicht mehr nur als Zustand verstehen, den man vernünftigerweise erhalten will, sonders als Lebensstil. Die investieren einen großen Teil ihres Geldes in Well-being, in gesunde Community-Events. Und sie erwarten auch von ihrem Arbeitgeber entsprechende Angebote. Mentale Gesundheit ist mittlerweile zu einem Talentmagnet geworden, für die jungen Generationen, aber seit der Pandemie auch für die älteren Generationen.

Viele sagen, die jüngeren Generationen seien anfälliger für psychische Probleme. Stimmt das? 

Nein, das kann ich grundsätzlich nicht bestätigen. Was wir aber feststellen ist, dass es für junge Menschen besonders wichtig ist, in ihrer Arbeit einen Sinn zu sehen. Es geht ihnen nicht mehr vorrangig um Sicherheit oder um Karriere und Geld, sondern sie wollen, dass ihre Arbeit einen für sie akzeptablen Zweck hat. Das greifen wir auf. Wir fördern die junge Generation, indem wir ihnen früh eigene Projekte und damit auch Verantwortung übertragen. Sie sehen dann, dass sie Einfluss haben, dass sie Spaß daran haben, dass sie gestalten können. Vor ein paar Jahren haben wir zum Beispiel unsere Auszubildenden und Dual Studierenden unseren kompletten Auftritt auf der Hannover Messe organisieren lassen, bis hin zur Kommunikation mit dem Bundeskanzler, und letztes Jahr hat ein Team eine „Fridays for Forest“-Initiative gestartet und durchgeführt. Mein Eindruck ist, dass sinnstiftende Projekte und Arbeit die Zufriedenheit erhöht und eine gute Prävention darstellen – bei der jüngeren und der älteren Generation.

 

In dieser Reihe haben wir die selbstgewählten Personenbezeichnungen der Interviewpartner beibehalten. Dadurch entstehen Unterschiede in der Genderschreibweise.

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