Mental Health am Arbeitsplatz

Martina Brunner, Leiterin Ausbildung und Brigitte Fritz, Head of HR bei BRUNATA-METRONA

Foto: BRUNATA-METRONA

Martina Brunner, Leiterin Ausbildung und Brigitte Fritz, Head of HR bei BRUNATA-METRONA

In den kommenden Wochen dreht sich bei uns alles um das Thema Mental Health am Arbeitsplatz bei Familienunternehmen. Führungskräfte Deutschlands und Unternehmensnachfolger:innen führender deutscher Familienunternehmen verraten uns exklusiv, welche Rolle Mental Health in ihrem Unternehmen spielt und welchen Einfluss es auf ihre Entwicklung hat. 

Doch auch unabhängige Expert:innen aus Wissenschaft und Gesellschaft kommen bei uns zu Wort. 

In diesem Interview sprechen Marina Brunner und Brigitte Fritz mit uns darüber, dass Mental Health bei BRUNATA-METRONA Teil der Identität ist.

 

Brigitte Fritz ist seit 2013 bei BRUNATA-METRONA tätig – zunächst als Personalleiterin, heute als Head of Human Relations. Nach ihrer Ausbildung zur Industriekauffrau absolvierte sie ein Studium im Bereich Human Resources sowie eine Weiterbildung im prozessorientierten Coaching. Ihre berufliche Laufbahn führte sie durch die Branchen Medien, Luftfahrt und Personalberatung. Seit 2003 ist sie in Führungspositionen tätig.

Martina Brunner verantwortet bei BRUNATA-METRONA in München die Ausbildung der Nachwuchskräfte. Nach ihrer Ausbildung und einem berufsbegleitenden BWL-Studium sammelte sie unter anderem bei dm-drogerie markt, einer Personalberatung sowie in verschiedenen IT-Start-ups Erfahrungen. Sie hat bei BRUNATA-METRONA das Bildungswesen in seiner heutigen Struktur aufgebaut, das von der klassischen kaufmännischen Ausbildung über unterschiedliche duale Studiengänge bis hin zu Trainee-Programmen für Hochschulabsolventen reicht.

 

Interview: Anna Bertele / Bärbel Brockmann, 18.02.2026

Warum ist Mental Health heute ein zentrales Thema bei BRUNATA-METRONA?

Brigitte Fritz: Mental Health ist kein kurzfristiger Trend, sondern ein Thema, das sich aus gesellschaftlichen Entwicklungen ganz logisch ergibt. Wir erleben seit Jahren, dass die Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben zunehmend verschwimmen. Mitarbeitende kommen nicht nur als Fachkräfte zur Arbeit, sondern als Menschen mit individuellen Sorgen, Ängsten und Belastungen. Diese lassen sich nicht einfach ausschalten. Als Arbeitgeber tragen wir deshalb Verantwortung, den Menschen ganzheitlich zu sehen. Für uns bedeutet das: Wenn es jemandem nicht gut geht, darf und soll das angesprochen werden. Mentale Belastungen gehören zur Realität moderner Arbeits- und Lebenswelten. Gerade als Familienunternehmen mit langfristiger Perspektive ist es unser Anspruch, nicht nur kurzfristige Leistung zu fördern, sondern nachhaltige Arbeitsfähigkeit.

Martina Brunner: Psychische Gesundheit wird von vielen unterschiedlichen Lebensbereichen geprägt. Sie ist das Ergebnis vieler Einflüsse – beruflich, privat, gesellschaftlich. In einer Welt, die immer schneller, komplexer und unsicherer wird, steigt der Druck auf den Einzelnen. Deshalb sehen wir es als unsere Aufgabe, Rahmenbedingungen zu schaffen, die Stabilität geben. Mental Health ist für uns kein Zusatzangebot, sondern Teil unserer Identität.

 

< >Prof. Dr. Nicolas R. Ziebarth, Leiter des ZEW-Forschungsbereichs Arbeitsmärkte und Sozialversicherungen

Experte Prof. Dr. Nicolas R. Ziebarth

Leiter des ZEW-Forschungsbereichs Arbeitsmärkte und Sozialversicherungen

Was kann ein Unternehmen wirkungsvoll für die mentale Gesundheit seiner Belegschaft tun?

Prof. Dr. Nicolas R. Ziebarth: Die Art, wie ein Unternehmen geführt wird und wie Mitarbeiter geführt werden, hat entscheidenden Einfluss auf die Arbeitsplatzzufriedenheit, die mentale Gesundheit der Mitarbeitenden und letztlich auch auf die Zahl der Fehltage. Eine gute Führung führt zu einer guten Stimmung im Betrieb und Spaß an der Arbeit. Dann sind auch die Fehlzeiten gering. Kleine und mittlere Unternehmen, zumal familiengeführte, haben hier einen Vorteil gegenüber sehr großen Unternehmen. Sie können den einzelnen Beschäftigten eher ein Gefühl der Wertschätzung vermitteln als das in einer großen hierarchischen Struktur der Fall ist. Sie können die Arbeit der einzelnen besser anerkennen. Man kann sich eher mit seiner Arbeit und dem Betrieb identifizieren, man hat seinen Platz. All das kann ein kleineres Unternehmen besser vermitteln als ein sehr großes.

Welche gesellschaftlichen Veränderungen spüren Sie besonders stark?

Brunner: Wir erleben eine starke Verdichtung von Anforderungen, von der insbesondere junge Menschen beim Einstieg ins Berufsleben betroffen sind. Sie wachsen mit Dauerverfügbarkeit, sozialen Medien, hohem Vergleichsdruck und globalen Krisen auf. Themen wie Klimawandel, wirtschaftliche Unsicherheit oder geopolitische Konflikte wirken in einer Lebensphase, die zugleich von Orientierung, Übergängen und Erwartungen geprägt ist.

Fritz: Auch erfahrene Mitarbeitende stehen aufgrund dieser Entwicklungen unter Druck. Gerade dann wird deutlich, dass Resilienz kein Zustand ist, den man einmal erreicht und dauerhaft behält. Sie muss immer wieder neu aufgebaut werden – etwa dann, wenn sich Lebensumstände verändern, durch familiäre Verantwortung, die Pflege von Angehörigen oder gesundheitliche Herausforderungen.

 

Was bedeutet das für Ihre Arbeit im Unternehmen?

Fritz: Wir begrenzen Verantwortung nicht nur auf den Arbeitsplatz. Wir schaffen Strukturen, die Menschen auch in schwierigen Lebensphasen unterstützen. Ein zentraler Bestandteil davon ist unsere externe Mitarbeiterberatung stg – Die Mitarbeiterberater. Dieses Angebot besteht seit vielen Jahren und wird sehr gut angenommen. Mitarbeitende und deren Angehörige können die Beratung rund um die Uhr in Anspruch nehmen – anonym, vertraulich und kostenfrei. Die Themen sind sehr vielfältig: psychologische Beratung, familiäre Konflikte, Kinderbetreuung, Pflege, finanzielle Fragen oder Suchtthemen. 

 

Welche Rolle spielen Führungskräfte im Umgang mit Mental Health?

Fritz: Eine ganz zentrale Rolle. Führungskräfte sind häufig die ersten, die Veränderungen wahrnehmen: Rückzug, Leistungsabfall, häufige Fehlzeiten. Deshalb haben wir gezielt in Führungskräfteentwicklung investiert. Unsere Programme vermitteln nicht nur fachliche Führung, sondern auch Haltung, Kommunikation und Sensibilität für unterschiedliche Lebensrealitäten. Führungskräfte müssen sich dabei auch selbst reflektieren. Sie sind nicht nur Führungspersonen, sondern ebenfalls Menschen mit eigenen Belastungen. 

Brunner: Gerade im Ausbildungsbereich ist das besonders wichtig. Ausbilderinnen und Ausbilder begleiten junge Menschen oft sehr eng. Deshalb haben wir begonnen, Mental-Health-First-Aid-Schulungen anzubieten. Erste Ausbilderinnen und Ausbilder nehmen dieses Angebot bereits wahr, um Warnsignale besser einordnen zu können und zu wissen, wie sie junge Menschen unterstützend begleiten können – ohne zu diagnostizieren.

 

Wie reagieren Nachwuchskräfte auf diese Angebote?

Brunner: Sehr positiv. Unsere Resilienzworkshops und Programme wie „Be kind to your mind“ werden gut angenommen. Viele junge Menschen sind dankbar, dass das Thema offen angesprochen wird. Sie merken: Ich bin hier nicht allein, und ich darf auch sagen, wenn etwas nicht stimmt. Gleichzeitig schulen wir auch die betreuenden Personen. Gerade sie stehen im Alltag vor der Herausforderung, Veränderungen richtig einzuordnen – etwa wenn jemand über einen längeren Zeitraum unkonzentriert wirkt oder erschöpft erscheint. Zu erkennen, ob es sich um momentane Überlastung handelt oder ob dahinter ein größerer Unterstützungsbedarf steckt, ist dabei entscheidend.

 

Wie wichtig ist Kommunikation in diesem gesamten Prozess?

Fritz: Ohne Kommunikation funktionieren die besten Angebote nicht. Deshalb setzen wir auf Transparenz und Wiederholung. Informationen werden über das Intranet, Newsletter, Flyer, Gesundheitstage und persönliche Ansprechpersonen vermittelt. Führungskräfte werden aktiv eingebunden und ermutigt, das Thema anzusprechen.

Brunner: Vertrauen entsteht durch Sichtbarkeit. Deshalb stellen wir im Nachwuchskräftebereich die Ansprechpartner der externen Beratung persönlich vor. Transparenz ist dabei ein wichtiger Faktor: Zu wissen, mit wem man spricht, senkt die Hemmschwelle erheblich.

 

Welche Rolle spielt das Thema im Employer Branding und Recruiting?

Brunner: Eine sehr große. Besonders jüngere Bewerberinnen und Bewerber achten stark darauf, ob Unternehmen glaubwürdig mit dem Thema umgehen. Gesundheit, Weiterbildung und ein wertschätzendes Umfeld sind entscheidende Faktoren bei der Arbeitgeberwahl.

Fritz: Wir erleben oft, dass Kandidatinnen und Kandidaten gezielt nach Gesundheitsangeboten, Resilienztrainings oder Beratungsmöglichkeiten fragen. Das zeigt, wie wichtig das Thema geworden ist.

 

BRUNATA-METRONA ist ein Familienunternehmen. Inwiefern hilft das im Umgang mit Mental Health?

Brunner: Familienunternehmen denken langfristig. Wir sind weniger von kurzfristigen Marktvolatilitäten getrieben und können stabilere Rahmenbedingungen bieten. Das gibt Sicherheit – gerade in unsicheren Zeiten.

Fritz: Wir entscheiden im Einzelfall und immer pro Mensch. Ob während der Corona-Pandemie, bei familiären Ausnahmesituationen oder gesundheitlichen Belastungen – unser Fokus liegt darauf, Druck zu nehmen und individuelle Lösungen zu finden. Der Mensch steht im Mittelpunkt. Das ist für uns kein Slogan, sondern gelebte Realität.

 

In dieser Reihe haben wir die selbstgewählten Personenbezeichnungen der Interviewpartner beibehalten. Dadurch entstehen Unterschiede in der Genderschreibweise.

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