Mental Health am Arbeitsplatz

Sigrid Riewe-Scholz, Leitung Marketing bei Hanning & Kahl

Foto: HANNING & KAHL

Sigrid Riewe-Scholz, Leitung Marketing bei Hanning & Kahl

In den kommenden Wochen dreht sich bei uns alles um das Thema Mental Health am Arbeitsplatz bei Familienunternehmen. Führungskräfte Deutschlands und Unternehmensnachfolger:innen führender deutscher Familienunternehmen verraten uns exklusiv, welche Rolle Mental Health in ihrem Unternehmen spielt und welchen Einfluss es auf ihre Entwicklung hat. 

Doch auch unabhängige Expert:innen aus Wissenschaft und Gesellschaft kommen bei uns zu Wort. 

In diesem Interview spricht Sigrid Riewe-Scholz mit uns darüber, dass es HANNING & KAHL wichtig ist, das persönliche Wohlbefinden zu fördern.

 

Interview: Bärbel Brockmann, 15.04.2026

Welche Relevanz hat Mental Health bei HANNING & KAHL?

Sigrid Riewe-Scholz: Mentale Gesundheit ist bei HANNING & KAHL wirklich ein zentrales Thema. Wir wissen, dass unsere Mitarbeitenden das Herzstück des Unternehmens sind. Wenn sie sich wohlfühlen, wirkt sich das direkt auf ihre Motivation, Kreativität und Leistungsfähigkeit aus. Deshalb ist es uns wichtig, dass nicht nur die fachliche Entwicklung, sondern auch das persönliche Wohlbefinden gefördert wird. Mit Programmen wie HAKAfit möchten wir dazu beitragen, dass jeder die Möglichkeit hat, Strategien für einen gesunden Umgang mit Stress zu lernen, Achtsamkeit zu praktizieren oder einfach mal den Kopf freizubekommen. Es geht nicht nur um Workshops oder Trainings, sondern darum, dass mentale Gesundheit ein selbstverständlicher Teil des Arbeitsalltags ist.
 

HANNING & KAHL Hakafit Kochen

Mit welchen Instrumenten unterstützen Sie die psychische Gesundheit Ihrer Belegschaft?

Wir versuchen, ein möglichst vielseitiges Angebot zu schaffen, weil die Bedürfnisse sehr unterschiedlich sind. Dazu gehören klassische Workshops zu Stressbewältigung, Selbstführung, Resilienz oder Achtsamkeit, aber auch Aktivitäten, die Bewegung, Spaß und Teamgeist fördern, wie Bogenschießen, Kanutouren oder Turniere. Außerdem bieten wir Fachvorträge, EDV-Workshops oder Kochevents an. Das Besondere ist: Mitarbeitende können selbst Ideen einbringen. Wenn ein Vorschlag genügend Unterstützung bekommt, fließt er direkt in das Programm ein. So stellen wir sicher, dass wir wirklich das anbieten, was den Kolleginnen und Kollegen hilft, sich mental zu stärken – und nicht einfach nur das, was wir als Führungskräfte für richtig halten. Wichtig ist uns außerdem, dass das Programm für alle Mitarbeitenden offensteht – kaufmännisch wie gewerblich, also auch für Kolleginnen und Kollegen aus der Produktion. So können wirklich alle von HAKAfit profitieren.

 

Wie wird das angenommen?

Sehr gut, das freut uns natürlich. Wir merken, dass die Mitarbeitenden es zu schätzen wissen, dass sie aktiv mitgestalten können. Viele berichten, dass sie neue Impulse für ihren Arbeitsalltag mitnehmen oder einfach mal einen Ausgleich zu stressigen Phasen finden – und das gilt nicht nur für das Büro, sondern auch für Kolleginnen und Kollegen in Montage und Fertigung. Die hohe Beteiligung unterstreicht das: Im Jahr 2025 wurden mehr als 31 Veranstaltungen mit insgesamt 440 Teilnahmen durchgeführt. Die Anmeldung läuft unkompliziert über unser Intranet, und je nach Veranstaltung werden unterschiedliche Teilnehmerzahlen zugelassen. Wer sich zuerst anmeldet, kann teilnehmen – so bleibt das Ganze überschaubar und exklusiv. Es ist schön zu sehen, dass die Angebote wirklich einen Mehrwert für alle Mitarbeitenden bieten.

 

< >Expertin Nora Dietrich - Psychotherapeutin, Autorin und Gründerin von Between People

Expertin Nora Dietrich

Psychotherapeutin, Autorin und Gründerin von Between People

Was kann man als Arbeitnehmer tun, um mental fit zu bleiben?

Wichtig ist vor allen Dingen, eine gute Beziehung zum eigenen Stress zu haben. Viele erkranken an chronischem Stress. Kurzfristiger Stress ist kein Problem, der mobilisiert eher. Chronischer Stress erschöpft und die Menschen machen einfach weiter, ohne sich zu regenerieren, ohne die Ursachen des Stresses aufzuarbeiten. Der chronische Stress auf Dauer, das ist das, was uns krank macht. Wir brauchen also gute Stress- und Entspannungsstrategien. Die Menschen sollten sich fragen, wie sie am besten regenerieren, wie sie im Arbeitsalltag Mikropausen einlegen können, wie sie ihren Arbeitstag so gestalten, dass er ihrem Rhythmus entspricht. Und sie müssen sich Grenzen setzen und offen aussprechen lernen, dass sie eine Aufgabe, ein Projekt nicht mehr schaffen. Für Resilienz brauchen wir auch ein soziales Netzwerk, Menschen, denen man im Betrieb vertraut. 

Sie haben neben dem deutschen auch einen US-Standort. Ist das Thema Mental Health dies- und jenseits des Atlantiks in etwa gleich wichtig?

Auf jeden Fall. Mental Health ist weltweit ein wachsendes Thema. Natürlich gibt es kulturelle Unterschiede, wie man damit umgeht. In den USA sprechen Menschen oft offener über Stress oder mentale Belastungen, in Deutschland eher zurückhaltender. In unserer US-Niederlassung handelt es sich allerdings um eine sehr kleine Einheit, daher können wir dort kein HAKAfit-Programm anbieten. Für unsere Kolleginnen und Kollegen dort spielt die Krankenversicherung eine besonders wichtige Rolle, um die gesundheitliche Absicherung sicherzustellen.

 

Welche Rolle spielt Mental Health im Recruiting?

Eine sehr große. Gerade jüngere Fachkräfte achten heute nicht mehr nur auf Gehalt oder Karrierechancen. Sie wollen wissen, ob das Unternehmen auch das Wohlbefinden seiner Mitarbeitenden ernst nimmt. Programme wie unser HAKAfit zeigen genau das: Hier wird nicht nur Leistung erwartet, sondern es wird aktiv darauf geachtet, dass man gesund bleibt und sich fachlich wie persönlich weiterentwickeln kann. Für uns spielt HAKAfit auch als Benefit eine besondere Rolle: Als klassisches Familienunternehmen setzen wir bewusst andere Akzente als große Konzerne. Statt mit weitläufigen Campusstrukturen zu werben, schaffen wir mit HAKAfit einen echten Mehrwert für unsere Mitarbeitenden. Das Angebot zeigt, dass wir ihre Bedürfnisse ernst nehmen und ein Arbeitsumfeld fördern, in dem Wohlbefinden und Gesundheit zählen – und genau das macht uns als Arbeitgeber attraktiv. 

 

Wird es in Zukunft noch mehr Anstrengungen geben müssen, um die Mitarbeiter gesund und damit die Fehlzeiten gering zu halten?

Ja, das wird ein fortlaufender Prozess sein. Die Anforderungen in der Arbeitswelt steigen ständig, und damit verändern sich auch die Belastungen. Deshalb planen wir, HAKAfit weiter auszubauen und unser betriebliches Gesundheitsmanagement noch stärker in den Alltag zu integrieren. Das kann zusätzliche sportliche Angebote, Rückentraining, Faszienkurse oder auch flexible Arbeitsplätze umfassen. Ein genauso wichtiger Punkt ist die Feedbackkultur: Wir möchten, dass Mitarbeitende sich einbringen, ihre Bedürfnisse äußern und Verantwortung übernehmen können. Wer lernt, sich selbst zu reflektieren und Entscheidungen bewusst zu treffen, bleibt langfristig gesünder. Das wirkt sich auch positiv auf Fehlzeiten aus. Für uns geht es also nicht nur um kurzfristige Maßnahmen, sondern darum, ein Umfeld zu schaffen, in dem Menschen langfristig gesund arbeiten können.

 

In dieser Reihe haben wir die selbstgewählten Personenbezeichnungen der Interviewpartner beibehalten. Dadurch entstehen Unterschiede in der Genderschreibweise.

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