KI - Arbeitsplätze im Wandel

KI im HR - Anna Sack, Change Management AI bei der Krombacher Brauerei

Foto: Krombacher Brauerei

Anna Sack, Change Management AI bei der Krombacher Brauerei

In den kommenden Wochen dreht sich bei uns alles um das Thema KI im HR bei Familienunternehmen. Führungskräfte Deutschlands und Unternehmensnachfolger:innen führender deutscher Familienunternehmen verraten uns exklusiv, welche Rolle KI im HR in ihrem Unternehmen spielt und welchen Einfluss es auf ihre Entwicklung hat. 

Doch auch unabhängige Expert:innen aus Wissenschaft und Gesellschaft kommen bei uns zu Wort. 

In diesem Interview spricht Anna Sack mit uns darüber, wie KI bei Krombacher zum Sparringspartner wird.

 

Interview: Bärbel Brockmann, 05.08.2026

Wie geht Krombacher mit KI um?

Anna Sack: Der offizielle KI-Startschuss fiel bei uns im Januar 2025 – als Teil unserer gesamtheitlichen Digitalisierungsstrategie. Wir hatten schon vorher erkannt, dass wir uns dem Thema widmen müssen, und vor anderthalb Jahren haben wir erstmals klare Leitplanken definiert. Dazu gehört die Richtlinie, dass bei uns immer der Mensch im Mittelpunkt steht, die KI nur unterstützt und die Verantwortung für Entscheidungen immer beim Menschen bleibt. Wir verfolgen den Ansatz, schrittweise und sehr praxisorientiert einzusteigen: Wir suchen kleine, konkrete Anwendungsfälle in den einzelnen Fachbereichen und entwickeln sie sukzessive weiter. Dieses Vorgehen hat sich bei uns inzwischen etabliert. Dabei generieren wir intern Ideen und lassen sie von internen KI-Experten bewerten. Wenn eine Anwendung vielversprechend ist, starten wir eine Pilotphase und prüfen nach einer gewissen Zeit, ob der KI-Einsatz einen Mehrwert gebracht hat. Bei allen KI-Ideen ist uns wichtig, dass sie sich in bestehende Prozesse integrieren lassen.

 

Gibt es denn schon KI-ausgelöste Veränderungen? 

Es gibt bereits Veränderungen mit messbaren Ergebnissen – wie stark, hängt aber sehr von den einzelnen Bereichen ab. Am schnellsten und unkompliziertesten wird die KI bei uns dort zum Sparringspartner, wo es um Text und Daten geht: bei E-Mails, Protokollen oder Recherche zeigen sich Mehrwerte oft fast sofort, ganz ohne aufwändiges Onboarding. Aufgaben, die vorher manuell erledigt wurden, übergeben wir zunehmend an die KI – je nach Aufgabe holen wir uns eben den passenden Sparringspartner ins Boot. Das bringt uns eine erhebliche Zeitersparnis. Auch in der Abfüllung gibt es schon spannende Anwendungen: Bei der Fassgrifferkennung fotografiert eine Kamera jedes vorbeifahrende Fass und analysiert es in Echtzeit – fehlerhafte Griffe werden so automatisch erkannt und aussortiert. Das nimmt den Mitarbeitenden eine mühsame Kontrollaufgabe ab und eröffnet spannende Möglichkeiten für weitere Erweiterungen in der Qualitätskontrolle. Wo genau die Grenzen liegen, verändert sich für uns ständig – was heute noch schwierig ist, kann in einem halben Jahr schon gelöst sein.

 

KI im HR - Krombacher

Gibt es so viele Effizienzgewinne, dass sich Stellen einsparen lassen?

Es ist nicht unsere Zielsetzung, Menschen durch KI zu ersetzen. Der Arbeitsalltag in unseren Abteilungen ist ohnehin gut gefüllt – die KI-Unterstützung bringt hier eine sinnvolle Entlastung. Außerdem liefert die KI nicht immer auf Anhieb Ergebnisse in der Qualität, die wir brauchen – wir lernen hier gemeinsam mit der Technologie und prüfen die Ergebnisse konsequent, bevor wir sie einsetzen. Wir setzen darauf, die Mitarbeitenden im Umgang mit KI zu stärken. Das bereitet alle auf die Zukunft vor. Gleichzeitig macht es uns attraktiver für junge Talente, die in Sachen KI oft ein ganz anderes Wissen mitbringen.

 

Werden Sie künftig andere Jobprofile haben?

Aktuell ist der Umgang mit KI noch nicht einheitlich in unseren Anforderungsprofilen verankert – das hängt momentan noch stark von der jeweiligen Abteilung ab. Aber das wird sich bestimmt ändern. Heute erwartet man von Menschen in der Verwaltung, dass sie sich mit den Microsoft-Office-Tools auskennen – also PowerPoint, Excel und Word. In Zukunft wird man genauso selbstverständlich fragen, ob ein Bewerber oder eine Bewerberin sich beispielsweise mit ChatGPT oder Copilot auskennt und prompten kann. Bereits heute interessieren sich Bewerberinnen und Bewerber zunehmend dafür, welche Rolle KI bei Krombacher spielt.

 

< >Experte Dr. Andreas Liebl, CEO des KI-Beratungsunternehmens appliedAI

Wer sind die KI-Gewinner und wer die Verlierer?

Diejenigen Firmen und auch diejenigen Menschen, die sich mit der Technologie auseinandersetzen, die wissen, wie sie KI einsetzen können, stehen sicherlich eher auf der gewinnenden Seite. Alle diejenigen, die nicht die Möglichkeit haben, überhaupt die Fähigkeiten aufzubauen, die daher nicht wissen wie sie KI-Systeme einsetzen könnten, die werden am ehesten von Jobveränderungen, von Arbeitsveränderungen betroffen sein. Es ist also wichtig, die Menschen mit der Technologie bekannt zu machen, sie lernen zu lassen, sinnvoll damit umzugehen. KI ist eine Technologie, die bleiben und zu signifikanten Veränderungen in allen Bereichen unseres Lebens führen wird. Das Wichtigste ist zu sagen: Da wird eine Veränderung kommen. Wir können uns entscheiden, ob wir die Veränderung gestalten oder ob sie uns überrollt. Die Aufgabe der Unternehmensführung ist den Mitarbeitern mitzugeben, dass man bereit ist, aktiv zu gestalten, dass man auf der gewinnenden Seite sein möchte, dass man die Technologie einsetzt, um weiter nach vorne zu kommen und dass man die Mitarbeiter dabei mitnimmt.

Gibt es KI-Schulungen für die Belegschaft?

Wir bieten verschiedene Schulungsformate an, die sich am jeweiligen Kenntnisstand der Mitarbeitenden orientieren. Wer sich darüber hinaus eigenständig weiterbilden möchte, kann das jederzeit tun – das hängt stark von der Person und der Abteilung ab. Wichtig ist uns dabei, dass alle unsere interne KI-Richtlinie kennen und wir der im EU AI Act vorgeschriebenen Kompetenzpflicht entsprechen. Die Richtlinie deckt das Handlungsfeld für die Mitarbeitenden ab: Welche Tools sind freigegeben, welche nicht? Welche Daten darf man verwenden, welche vertraulichen Informationen sind zu schwärzen? Uns ist wichtig, dass die Mitarbeitenden viel ausprobieren und sich Wissen aneignen – innerhalb des Rahmens, den unsere Richtlinien vorgeben.

 

Wo sehen Sie Grenzen im Einsatz von generativer KI? 

Eine Grenze sehen wir dort, wo es um komplexes Kontextverständnis geht – wo Erfahrungswissen oder Bauchgefühl gefragt sind, die sich schwer in Daten abbilden lassen. Deshalb bleibt der Mensch hier unabdingbar. Manche Tools setzen wir bewusst nicht ein, auch wenn sie uns unterstützen könnten – weil wir dabei sensible Daten freigeben müssten. Das ist für uns keine Frage des Könnens, sondern eine klare Entscheidung für Compliance und Datenschutz. Auf der Change-Management-Ebene liegen die Grenzen oft im Mindset der Mitarbeitenden: Je nach Fachabteilung, Person und Alter ist die Offenheit im Umgang mit KI unterschiedlich groß. Genau da sehen wir aber auch unsere Aufgabe: Wir wollen alle mitnehmen und Stück für Stück Vertrauen und Neugier für KI aufbauen. Denn in vielen Bereichen steht uns die spannendste Entwicklung noch bevor.

 

In dieser Reihe haben wir die selbstgewählten Personenbezeichnungen der Interviewpartner beibehalten. Dadurch entstehen Unterschiede in der Genderschreibweise.

© 2026 Der Entrepreneurs Club. Alle Rechte vorbehalten. Texte: nicht kommerzielle, auszugsweise Nutzung unter Quellenangabe https://www.karriere-familienunternehmen.de gestattet. Fotos: © 2026 Der Entrepreneurs Club / Krombacher Brauerei Bernhard Schadeberg GmbH & Co. KG
 

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