KI - Arbeitsplätze im Wandel

KI im HR - Lothar Kübler, geschäftsführender Gesellschafter der Kübler Group

Foto: Kübler Group

Lothar Kübler, geschäftsführender Gesellschafter der Kübler Group

In den kommenden Wochen dreht sich bei uns alles um das Thema KI im HR bei Familienunternehmen. Führungskräfte Deutschlands und Unternehmensnachfolger:innen führender deutscher Familienunternehmen verraten uns exklusiv, welche Rolle KI im HR in ihrem Unternehmen spielt und welchen Einfluss es auf ihre Entwicklung hat. 

Doch auch unabhängige Expert:innen aus Wissenschaft und Gesellschaft kommen bei uns zu Wort. 

In diesem Interview spricht Lothar Kübler mit uns darüber, wie Kübler bereits KI im HR einsetzt.

 

Interview: Bärbel Brockmann, 22.07.2026

Inwieweit hat Künstliche Intelligenz bei Kübler schon Arbeitsplätze verändert? 

Lothar Kübler: Wir setzen KI zur Effizienzsteigerung unserer Mitarbeiter ein, was deren Arbeit natürlich verändert. Unsere Mitarbeiter nutzen KI-Tools zum Beispiel für Recherchen, in der Vertragsprüfung und überall dort, wo es darum geht, Sachverhalte zusammenzufassen, etwa bei Sitzungsprotokollen. Die täglichen Abläufe werden dadurch erheblich beschleunigt. Außerdem nutzen wir KI in der Produktion, wo wir mit ihrer Hilfe Prozesse weiter automatisieren. Das ist noch eine große Herausforderung, denn damit KI wirksam ist, müssen die Daten sehr gut sein. Daran arbeiten wir derzeit. 

 

< >Nadine Lahn, Wissenschaftlerin am Institut für Arbeitswissenschaft und Technologiemanagement der Universität Stuttgart

Expertin Nadine Lahn

Wissenschaftlerin am Institut für Arbeitswissenschaft und Technologiemanagement der Universität Stuttgart

Wo liegen denn die Herausforderungen beim Einsatz von KI im HR?

Zunächst einmal gilt es, Skepsis zu überwinden. Dann müssen gleich mehrere Fragen beantwortet werden: Was kann die KI und was nicht, wie funktioniert sie, wo sind die Anwendungsfälle? Es muss auch geklärt werden, ob man beim Einsatz von KI auf Tools zurückgreift, die es auf dem Markt gibt oder ob man sich eins von externen Anbietern maßgeschneidert entwickeln lässt. Das ist nicht zuletzt eine finanzielle Frage. Es muss auch geklärt werden, ob man genügend Mitarbeitende hat, die KI-Tools überwachen und pflegen können. Viele Unternehmen müssen auch erst einmal in die Verbesserung der Datenlage investieren, denn die ist oftmals nicht gut genug. Eine KI kann aber nur gute Ergebnisse liefern, wenn die Datenqualität hoch ist. 

Welche KI-Tools nutzen Sie?

Anfangs haben wir Lizenzen verschiedener Modelle erworben, wie zum Beispiel Copilot von Microsoft. Das wurde mit der Zeit aber sehr teuer. Deshalb haben wir uns für eine Plattform entschieden welche sich aktuell in einer Pilotphase befindet. Dort haben wir Zugriff auf viele verschiedene Large Language Modelle, sogenannte LLMs. Außerdem nutzen wir das dortige Schulungsangebot. Es reicht von Grundlagenschulungen bis hin zu Workshops auf höherem Niveau, die es zum Beispiel ermöglichen, uns einen eigenen KI-Agenten aufzubauen. Und, was auch sehr wichtig ist: Die Plattform garantiert, dass Compliance Themen sichergestellt sind und auch unsere Daten nicht nach außen gehen. So können wir sicher sein, dass wir bei der Nutzung von KI immer alle Regeln und Vorschriften einhalten. Jetzt geht es darum zu testen, welche Möglichkeiten wir mit KI realisieren können und wo diese Tools ihre Grenzen haben. 

 

Kübler - Produktion

Wo könnten die liegen? 

Zum Beispiel in den Kosten. Die meist amerikanischen KI-Entwickler investieren hunderte von Milliarden, die wollen irgendwann auch etwas zurückbekommen. Das heißt, die Preise für KI-Tools werden sukzessive steigen. Wir müssen daher aufpassen, dass wir KI immer so einsetzen, dass es für uns wirtschaftlich sinnvoll ist. Sie muss dem einzelnen Mitarbeiter etwas bringen, aber auch dem Unternehmen als Ganzes im Sinne von Automatisierung von Prozessen und Abläufen, vor allem dort wo sie sich „stupide“ wiederholen. 

 

Verändert sich das Anforderungsprofil der Mitarbeitenden?

Das verändert zunächst einmal die Arbeit der Mitarbeitenden. Es gibt jetzt ein neues Tool und man muss sich schulen lassen, damit man damit umgehen kann. Wen brauchen wir in der Zukunft? Wir brauchen beispielsweise Sachbearbeiter, die mehr steuernd und bewertend arbeiten. Man denke etwa an den IT-Bereich. Wir werden kaum noch Code-Schreiber brauchen, denn den Code schreibt die KI. Wir werden Softwarearchitekten brauchen, die sich überlegen, wie sie die generierte Software strukturieren, Leute, die überprüfen, ob die generierte Software auch sinnvoll ist. Kurzum: Routine fällt weg, überwachen, steuern, strukturieren, nimmt zu. Dafür braucht man eine andere Kompetenz. Die versuchen wir auch in unseren Schulungsmaßnahmen zu vermitteln. Grundsätzlich kann man sagen, die Mitarbeitenden müssen lernen, kritisch zu hinterfragen.

 

Wird diese Entwicklung dazu führen, dass man weniger Leute braucht? 

De facto ja, natürlich. Wir wollen aber kein Personal abbauen. Stattdessen wollen wir das Wachstum, das wir planen, mit der gleichen Mannschaft stemmen. Die Mitarbeiter stellen selber fest, dass sie schneller arbeiten, sie wollen nicht auf KI verzichten, weil sie dann langsamer werden. Wegen der größeren Geschwindigkeit fällt es uns leichter zu wachsen. Und den Mitarbeitern, die heute eine Arbeit machen, die ganz oder überwiegend durch KI ersetzt werden kann, können wir anderswo im Unternehmen eine neue Aufgabe geben. Klar ist: KI verändert vieles. Wir sind in einem harten Wettbewerb. Wenn unsere Weltbewerber KI einsetzen und schlanker werden und wir das nicht tun, dann haben wir verloren. 

 

Wie verändert KI die Arbeit in der Produktion?

Auch im Produktionsbereich nutzen wir schon KI. Darüber hinaus haben wir aber auch unabhängig einiges selbst umgesetzt. Wir haben zum Beispiel parallel zu unserem klassischen Shopfloor Management System, wo vieles noch in Papierform funktioniert, mit KI-generierter Software ein neues Shopfloor Management System aufgebaut, das an unser zentrales Steuerungssystem, also das ERP-System, andockt. Da man nicht mehr viel händisch machen muss, nicht mehr viele verschiedene Masken anklicken muss, funktioniert das jetzt sehr schnell. Das ist eine der großen Stärken eines KI-Systems. Es kann mit großen Datenmengen arbeiten und ganz schnell Antworten geben. Mit denen können wir die Dinge so gestalten, wie wir es brauchen. Die Ergebnisse fließen wieder in das Shopfloor Management System ein. Die neue Aufgabe der Mitarbeiter ist es jetzt, daraus Analysen zu erstellen und Trends beobachten.  Sie machen nicht mehr alles selbst, sondern bewerten Ergebnisse und leiten daraus Aktionen ab. 

 

Wie beurteilt die Belegschaft die Veränderungen? 

Wichtig ist, dass die Beschäftigten verstehen, was wir tun und warum. Deshalb haben wir vor gut einem Jahr firmenweit unser KI-Kick-Off veranstaltet. Wir haben versucht, die Mitarbeitenden frühzeitig mitzunehmen. Es gab in der Belegschaft Skepsis und wir haben gemerkt, dass wir mehr machen müssen. Daher ist das Thema Information und Schulung sehr wichtig. Aber entscheidend ist, dass jede Führungskraft nicht nur das Thema KI in ihrem Fachbereich nach vorne bringt, sondern sich auch um die Vorbehalte und Sorgen der Mitglieder ihrer Teams kümmern. 

 

Wie sehen Sie die Zunkunft mit KI?

Ich glaube, das wissen wir alle noch nicht so genau.  Aus heutiger Sicht würde ich sagen, die Stärken sind die Verarbeitung großer Datenmengen, die Mustererkennung, das Erstellen von Powerpoints, Texten, Entwürfen oder Vertragsentwürfen. All das, was heute noch relativ viel Zeit im Anspruch nimmt und uns, wenn wir diese Aufgaben extern in Auftrag geben, auch viel Geld kostet. Der Mensch bleibt in puncto Strategie und Vision ganz entscheidend. Völlig neue Ideen und Produkte, Kreativität, das muss der Mensch machen. LMMs basieren ja nur auf bekanntem Wissen. Sie können daher nicht etwas komplett Neues entwickeln. Ein ganz wichtiger Punkt ist aber auch die Empathie, das Zwischenmenschliche. Wir kommen jeden Tag zusammen, und sei es auch über Teams-Meetings. Wir tauschen uns aus, sprechen miteinander. Dieser persönliche Kontakt ist enorm wichtig. Das wollen wir als Familienunternehmen unbedingt hochhalten. 

 

In dieser Reihe haben wir die selbstgewählten Personenbezeichnungen der Interviewpartner beibehalten. Dadurch entstehen Unterschiede in der Genderschreibweise.

© 2026 Der Entrepreneurs Club. Alle Rechte vorbehalten. Texte: nicht kommerzielle, auszugsweise Nutzung unter Quellenangabe https://www.karriere-familienunternehmen.de gestattet. Fotos: © 2026 Der Entrepreneurs Club / Kübler Group
 

Interviews zum Thema

Anna Sack, Change Management AI Krombacher

coming soon

Leonhard Kerscher, Executive Vice President IT & Digital Transformation Kärcher

coming soon

Experte Dr. Andreas Liebl, CEO appliedAI

coming soon

Expertin Nadine Lahn, Wissenschaftlerin

coming soon

Interesse an Familienunternehmen gewonnen?

Informiere dich in den Firmenprofilen und finde den perfekten Job für Dich.

Firmenprofile entdeckenJobs suchen

Nichts mehr verpassen?
Bekomme regelmäßig Tipps und bleibe Up-to-Date.

Dann folge uns auch auf Instagram und Co.

Wir freuen uns auf Dich.