KI - Arbeitsplätze im Wandel

KI im HR - Leonhard Kerscher, Executive Vice President IT & Digital Transformation bei Kärcher

Foto: Alfred Kärcher SE & Co. KG

Leonhard Kerscher, Executive Vice President IT & Digital Transformation bei Kärcher

In den kommenden Wochen dreht sich bei uns alles um das Thema KI im HR bei Familienunternehmen. Führungskräfte Deutschlands und Unternehmensnachfolger:innen führender deutscher Familienunternehmen verraten uns exklusiv, welche Rolle KI im HR in ihrem Unternehmen spielt und welchen Einfluss es auf ihre Entwicklung hat. 

Doch auch unabhängige Expert:innen aus Wissenschaft und Gesellschaft kommen bei uns zu Wort. 

In diesem Interview spricht Leonhard Kerscher mit uns darüber, auf was Kärcher bei der Einführung von KI setzt.

 

Interview: Bärbel Brockmann, 26.08.2026

Inwieweit haben schon KI-Tools Einzug bei Kärcher gehalten? 

Wir haben bei Kärcher die Chancen von KI frühzeitig erkannt. ChatGPT kam Ende 2022 heraus. Gleich zu Beginn des Jahres 2023 haben wir unseren Mitarbeitenden ChatGPT in einer Unternehmensversion bereitgestellt. Wir wollten damit auch zeigen, dass wir als innovativer Arbeitgeber schnell auf neue Technologien reagieren. Nach der ersten Probierphase haben wir uns dann nach einem KI-Tool umgesehen, das gut zu uns passt. Dabei sind wir auf Gemini von Google gestoßen, das passte am besten, weil wir ohnehin nicht in der Microsoft- sondern in der Google-Welt unterwegs sind. Gemini haben wir ab Mitte 2024 weltweit ausgerollt. KI ist eine Grundtechnologie wie das Internet, die alle in Zukunft nutzen werden. Und je früher wir unsere Mitarbeitenden mitnehmen, sie schulen, sie enablen, desto früher profitieren wir auch von den neuen technologischen Möglichkeiten und desto eher halten sie dann Einzug in das Tagesgeschäft.

 

< >Nadine Lahn, Wissenschaftlerin am Institut für Arbeitswissenschaft und Technologiemanagement der Universität Stuttgart

Expertin Nadine Lahn

Wissenschaftlerin am Institut für Arbeitswissenschaft und Technologiemanagement der Universität Stuttgart

Welchen Einfluss hat KI heute auf die Arbeitswelt?

Der Einfluss ist schon sehr groß. Es gibt wenige Unternehmen, die sich nicht mit dem Thema befassen und die nicht ausloten, welche Potenziale sie dadurch heben können. Vielfach besteht aber noch große Unsicherheit, wie man mit KI umgehen sollte. Das ist eine große Herausforderung. Immerhin nutzt fast die Hälfte der Unternehmen schon KI. Vor allem die generative KI wird schon breit angewendet. Die Mitarbeitenden sammeln viele Erfahrungen. KI wird auch schon zur Steigerung der Produktivität und der Effizienz eingesetzt, etwa durch Automatisierung von Routineaufgaben oder zur Datenauswertung. 

Wie steht es um den KI-Einsatz in der Produktion?

Die Produktion ist seit jeher gefordert, Prozesse zu optimieren. Stichworte sind etwa der Einsatz von Robotern oder fahrerlose Transportsysteme. Als wir Google Workspace eingeführt haben, hat die Produktion sehr schnell die Vorteile der Digitalisierung erkannt und sich zunutze gemacht. Sie hat die meisten Papierprozesse abgeschafft und auf Tablets umgestellt. Ähnliches sehen wir auch jetzt im Umfeld der KI. Die Chancen mit Google Gemini werden in der Produktion gesehen und genutzt. Man macht dort zum Beispiel Videoaufnahmen, lädt sie in die KI hoch und dokumentiert die Prozesse. Dadurch bauen wir einen enormen Wissensspeicher auf. Man kann auch mithilfe von KI aus Bildschirmaufnahmen Testfälle ableiten – so dokumentierten wir im Rahmen unseres S/4-Projekts Testfälle für die Umstellung anhand von Aufzeichnungen der täglichen Arbeit in SAP.

 

Wie kommt KI bei der Belegschaft an?

Wir haben bislang sehr gute Erfahrungen gemacht. Das liegt daran, dass wir von Anfang an auf eine flächendeckende und umfassende Kommunikation und Schulungen gesetzt haben. Wir sind bei uns am Stammsitz mit einer Rollout-Woche gestartet. Zu Beginn hat unser Vorsitzender des Vorstands, Hartmut Jenner, der Belegschaft erklärt, wohin die KI-Reise geht. Es gab in der Kantine Informationsstände, auf den Essenstabletts lagen Blätter mit Tipps zum Prompten, es gab Flyer, Aufkleber und vieles mehr. Wir haben auch einen Preis ausgelobt, den Gemini-Grand-Prix. Der wurde nach einer Juryauswertung vom Vorstand für die besten drei Ideen zur Anwendung von KI vergeben. Seither gibt es regelmäßige  KI-Morning-Briefings. Eine Gemini-Gruppe veröffentlicht jede Woche die neuesten Tricks und Kniffe sowie potenzielle Anwendungsfälle im Intranet. Wir hatten natürlich auch kritische Stimmen aus der Belegschaft, aber es waren wenige. Ob sich jemand mit KI anfreunden kann oder nicht, hängt auch mit einer grundsätzlichen Offenheit gegenüber etwas Neuem zusammen. Manche haben einfach Angst, dass sie etwas falsch machen könnten. Das ist menschlich und gut nachvollziehbar bei der Geschwindigkeit der technologischen Veränderungen. Wir haben versucht, ihrer Skepsis zu begegnen, indem wir in jedem Fachbereich zwei oder drei Kollegen als KI-Ansprechpartner etabliert haben. Das hat viele Ängste genommen. Auch hier ist die Kommunikation das A und O.

 

Welche Jobs, welche Anforderungen haben sich tatsächlich schon geändert? 

Wir sehen quasi schon in jedem Fachbereich Veränderungen durch KI, sei es in Finance, sei es in der IT, bei Human Resources oder auch im Rechtsbereich. Überall werden mit KI Analysen erstellt, Fakten in der Kommunikation aufbereitet. KI unterstützt bei der Ideenfindung. Unsere Mitarbeitenden bekommen einen zusätzlichen digitalen Helfer, der sie dabei unterstützt, ihren Horizont qualitativ zu erweitern und ein höheres Fähigkeitsniveau zu erreichen. Denn eines ist klar: Wir steigen sehr früh in die neue Technologie ein, weil wir einen Vorsprung gegenüber unseren Marktbegleitern erreichen wollen. Es geht uns im Moment noch nicht um konkrete Anwendungsfälle. Auch beim Internet hat niemand sofort mit einem Use Case gerechnet. Das Internet wie auch KI sind einfach Basistechnologien. Wir sind auf einem guten Weg. Ich würde sagen, man wird bei Kärcher keine Gruppe, Abteilung, Bereich finden, wo KI nicht in irgendeiner Form im Alltag eingesetzt wird. 

 

KI im HR - Kärcher

Wo sehen Sie die größten Chancen und Herausforderungen durch KI? 

Wir sehen in KI eine große Chance, dem demografischen Wandel in Deutschland entgegenzuwirken.  Mit KI können wir unser Wachstum besser abdecken und dem Mangel an Fachkräften am Arbeitsmarkt entgegenwirken. Daneben sehen wir in KI die Chance, neue Produkte und neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Schließlich sehen wir, zumindest aktuell, einen Wettbewerbsvorteil, denn nicht alle Wettbewerber sind in Sachen KI schon so weit wie wir. Die größte Herausforderung ist aus meiner Sicht zu verhindern, dass das Menschliche langfristig zu kurz kommt. Der Mensch sollte weiterhin im Mittelpunkt stehen.  

 

Kann ein Familienunternehmen wie Kärcher das eher erreichen als andere Unternehmen?

Als Familienunternehmen denkt Kärcher langfristig. Es ist uns wichtig, nicht nur das Unternehmen, sondern auch die Belegschaft so zu entwickeln, dass wir gemeinsam zukunftsfähig sind. Dieses Denken hat uns groß gemacht und es macht auch unseren Erfolg aus. Gerade deswegen haben wir ja einen solch großen Aufwand bei der Einführung von KI in unserem Unternehmen betrieben. Für uns bleibt der Mensch im Mittelpunkt und nicht die Maschine. 

 

In dieser Reihe haben wir die selbstgewählten Personenbezeichnungen der Interviewpartner beibehalten. Dadurch entstehen Unterschiede in der Genderschreibweise.

© 2026 Der Entrepreneurs Club. Alle Rechte vorbehalten. Texte: nicht kommerzielle, auszugsweise Nutzung unter Quellenangabe https://www.karriere-familienunternehmen.de gestattet. Fotos: © 2026 Der Entrepreneurs Club / Alfred Kärcher SE & Co. KG
 

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