KI - Arbeitsplätze im Wandel

KI im HR - Stefan Sander, CHRO bei der Dirk Rossmann GmbH

Foto: Dirk Rossmann GmbH

Stefan Sander, CHRO bei ROSSMANN

In den kommenden Wochen dreht sich bei uns alles um das Thema KI im HR bei Familienunternehmen. Führungskräfte Deutschlands und Unternehmensnachfolger:innen führender deutscher Familienunternehmen verraten uns exklusiv, welche Rolle KI im HR in ihrem Unternehmen spielt und welchen Einfluss es auf ihre Entwicklung hat. 

Doch auch unabhängige Expert:innen aus Wissenschaft und Gesellschaft kommen bei uns zu Wort. 

In diesem Interview spricht Stefan Sander mit uns darüber, wieso mehr Effizienz nicht automatisch zu besseren Arbeitsbedingungen führt.

 

Interview: Bärbel Brockmann, 30.09.2026

Welche KI-Strategie verfolgt ROSSMANN? 

Stefan Sander: Wir behandeln KI nicht als Hype und auch nicht als reines IT-Projekt. Für uns ist sie ein gesamtunternehmerisches Thema, weil sie Technologie, Prozesse und Menschen gleichermaßen betrifft. Deshalb gestalten IT und HR das Thema gemeinsam. Die IT schafft die technischen und sicheren Rahmenbedingungen. HR richtet den Blick auf Rollen, Kompetenzen, Qualifizierung. Die Fachbereiche bringen ihre Prozesse und konkreten Anwendungsfälle ein und beurteilen, wo KI im Arbeitsalltag einen Mehrwert schafft. Dieses Zusammenspiel ist der Kern unserer Strategie: Wir setzen Technologie dort ein, wo sie dem Unternehmen und unseren Mitarbeitenden konkret nutzt – gemeinsam und verantwortungsvoll. 

 

< >Experte Dr. Andreas Liebl, CEO des KI-Beratungsunternehmens appliedAI

Wer sind die KI-Gewinner und wer die Verlierer?

Diejenigen Firmen und auch diejenigen Menschen, die sich mit der Technologie auseinandersetzen, die wissen, wie sie KI einsetzen können, stehen sicherlich eher auf der gewinnenden Seite. Alle diejenigen, die nicht die Möglichkeit haben, überhaupt die Fähigkeiten aufzubauen, die daher nicht wissen wie sie KI-Systeme einsetzen könnten, die werden am ehesten von Jobveränderungen, von Arbeitsveränderungen betroffen sein. Es ist also wichtig, die Menschen mit der Technologie bekannt zu machen, sie lernen zu lassen, sinnvoll damit umzugehen. KI ist eine Technologie, die bleiben und zu signifikanten Veränderungen in allen Bereichen unseres Lebens führen wird. Das Wichtigste ist zu sagen: Da wird eine Veränderung kommen. Wir können uns entscheiden, ob wir die Veränderung gestalten oder ob sie uns überrollt. Die Aufgabe der Unternehmensführung ist den Mitarbeitern mitzugeben, dass man bereit ist, aktiv zu gestalten, dass man auf der gewinnenden Seite sein möchte, dass man die Technologie einsetzt, um weiter nach vorne zu kommen und dass man die Mitarbeiter dabei mitnimmt.

Welche Auswirkungen hat der Einsatz von KI bei ROSSMANN auf die Arbeitsplätze? 

KI verändert derzeit vor allem einzelne Aufgaben und Tätigkeiten, nicht ganze Berufsbilder. In unserer Expansion beispielsweise kann sie große Mengen an Standort- und Marktdaten auswerten und Entscheidungen vorbereiten. Erfahrung, Gespräche mit Vermietern, Verhandlungen und die Entscheidung selbst ersetzt sie aber nicht. Gleichzeitig wäre es nicht ehrlich zu behaupten, KI bleibe ohne Auswirkungen auf Arbeitsplätze. Im Kundenservice übernehmen Chat- und Voicebots einen Teil der wiederkehrenden Standardanfragen. Für einen Großteil der Betroffenen haben wir andere Aufgaben innerhalb von ROSSMANN gefunden. Nur in sehr wenigen Fällen war das nicht der Fall. Gemessen an unserer Gesamtbelegschaft von mehr als 40.000 Menschen betrifft das einen sehr kleinen Teil. Für jeden Einzelnen ist eine solche Veränderung dennoch einschneidend. Entscheidend ist, diese Entwicklung frühzeitig zu erkennen und verantwortungsvoll zu gestalten. 

 

Inwieweit kann KI zu verbesserten Arbeitsbedingungen beitragen? 

KI kann Routineaufgaben der Mitarbeitenden reduzieren, Wissen schneller zugänglich machen und bei körperlich belastenden Tätigkeiten unterstützen. Unser Verkaufsstellen-Copilot liefert den Mitarbeitenden in den Filialen schnell Antworten auf Fragen aus ihrem Arbeitsalltag. In der Logistik testen wir, inwieweit humanoide Robotik künftig bei wiederkehrenden und körperlich anstrengenden Tätigkeiten entlasten kann. Gleichzeitig führt mehr Effizienz nicht automatisch zu besseren Arbeitsbedingungen. Wenn wir die gewonnene Zeit lediglich mit zusätzlichen Aufgaben füllen, entsteht am Ende nur eine neue Form der Arbeitsverdichtung. Deshalb müssen wir darauf achten, dass die Entlastung bei den Menschen ankommt. KI soll nicht nur mehr Arbeit in kürzerer Zeit ermöglichen, sondern den Arbeitsalltag tatsächlich verbessern. 

 

Wie werden die Mitarbeitenden auf KI vorbereitet? 

Wir verstehen KI-Kompetenz nicht als einmalige Schulung, sondern als kontinuierlichen Lernprozess. Unsere Formate reichen vom KI-Grundkurs über Prompt- und Praxisschulungen bis zu offenen Lernangeboten, Communities und fachbereichsspezifischen Angeboten. Auch Führungskräfte bereiten wir darauf vor, ihre Teams in der Veränderung zu begleiten. Entscheidend ist für uns, Berührungsängste abzubauen, Orientierung zu geben und KI im Arbeitsalltag erlebbar zu machen. Gleichzeitig braucht es die Bereitschaft, Neues auszuprobieren und die eigenen Kompetenzen weiterzuentwickeln. Die Verantwortung darf aber nicht allein bei den Mitarbeitenden liegen. Führung muss Unsicherheiten ernst nehmen sowie Zeit und Raum zum Lernen schaffen. Aber es braucht auch das Bewusstsein und die Bereitschaft jedes einzelnen diese Veränderungen anzugehen. 

 

Inwieweit ändern sich Jobprofile? 

Viele Jobprofile werden sich durch KI weiterentwickeln. Fachwissen bleibt dabei unverzichtbar. Hinzu kommt die Fähigkeit, KI sinnvoll einzusetzen, Ergebnisse kritisch zu prüfen und die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen. Gleichzeitig gewinnen Fähigkeiten wie Kommunikation, Empathie, Kreativität und Urteilsvermögen an Bedeutung. Nicht jeder muss die Technologie selbst entwickeln können. Entscheidend ist, ihre Möglichkeiten und Grenzen zu verstehen und sie verantwortungsvoll in die eigene Arbeit einzubinden. Daneben entstehen neue Rollen – etwa für Menschen, die den KI-Einsatz in Teams begleiten oder fachliche Anforderungen in konkrete Lösungen übersetzen. Wir schauen deshalb, wie sich Aufgaben und Rollen verändern und wie wir unsere Mitarbeitenden darauf vorbereiten. 

 

Gibt es auf dem Stellenmarkt genügend Personen, die KI-Skills mitbringen? 

Für hoch spezialisierte KI-Profile ist der Markt begrenzt. Gleichzeitig brauchen wir nicht nur ausgewiesene KI- Experten. Mindestens genauso wichtig sind Menschen, die Fachwissen, Prozessverständnis und technologische Neugier verbinden. Denn gerade im KI-Umfeld hat Wissen eine sehr kurze Halbwertszeit. Technologien und Anwendungsmöglichkeiten entwickeln sich so schnell weiter, dass vorhandenes Wissen allein nicht ausreicht. Entscheidend sind deshalb die Bereitschaft und Fähigkeit, kontinuierlich dazuzulernen. Unser Fokus liegt darauf, die Kompetenzen unserer Mitarbeiter gezielt weiterzuentwickeln und KI-Wissen breit im Unternehmen aufzubauen. Denn KI entfaltet ihren Nutzen vor allem dann, wenn sie auf konkrete Fragestellungen aus dem Arbeitsalltag angewendet wird. Die Kompetenzlücken, die wir durch interne Entwicklung nicht schließen können, ergänzen wir gezielt durch externe Rekrutierung. 

 

Welches Potenzial sieht ROSSMANN für KI-Anwendungen in der Zukunft? Wird die Belegschaft schrumpfen? 

Wir sehen in vielen Bereichen Potenzial für KI – von der Wissensbereitstellung in unseren Filialen über Serviceprozesse und datenbasierte Entscheidungen bis hin zu Anwendungen in HR und Logistik. In Zukunft werden KI, Automatisierung und agentenbasierte Systeme noch stärker zusammenspielen. Für uns bleibt aber entscheidend, Technologie nicht allein deshalb einzusetzen, weil sie verfügbar ist. Wir schauen genau darauf, wo sie einen konkreten Mehrwert schafft und unsere Mitarbeitenden sinnvoll unterstützen und zum Unternehmensergebnis beitragen kann. Ob unsere Belegschaft dadurch insgesamt schrumpfen wird, lässt sich heute nicht pauschal beantworten. ROSSMANN wächst und damit auch das Arbeitsvolumen. KI kann helfen, dieses Wachstum zu bewältigen, ohne dass der Personalbedarf im gleichen Verhältnis steigt. Gleichzeitig werden Aufgaben wegfallen, neue hinzukommen und sich bestehende Rollen weiterentwickeln.

Unsere Aufgabe ist es, diesen Wandel frühzeitig zu erkennen und verantwortungsvoll zu gestalten. Dazu gehört, unsere Mitarbeitenden gezielt weiterzuentwickeln und ihnen möglichst Perspektiven innerhalb des Unternehmens zu eröffnen. Die strategische Personalplanung kann uns dabei helfen, Veränderungen bei Rollen und Kompetenzbedarfen frühzeitig zu erkennen und mit Qualifizierung oder gezielter Rekrutierung darauf zu reagieren.

 

In dieser Reihe haben wir die selbstgewählten Personenbezeichnungen der Interviewpartner beibehalten. Dadurch entstehen Unterschiede in der Genderschreibweise.

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